Donnerstag, 11. Oktober 2007

Baucamp in Olgashof (bei Wismar)

Ebenfalls seit zwei Wochen arbeitet eine Gruppe des Bauordens in Olgashof, einem Hof in der Nähe von Dorf Mecklenburg in mecklenburg-Vorpommern.

Die Mitglieder der Gemeinschaft Olgashof (bei Wismar) möchten ein ökologisches, gewaltfreies und solidarisches Leben führen. Die Kommune betreibt ein Ferien- und Seminarhaus, das von Gruppen gebucht werden kann. Außerdem gibt es eine Architekturwerkstatt, einen Lehmofenbau, eine Tischlerei für Spezialanfertigungen und einen ökologischen Gartenservice. Mit Hilfe des Bauordens wird das Tagungshaus weiter ausgebaut - es stehen verschiedene Mauer- und Dacharbeiten auf dem Programm.




Julia



Cristinel

Zur Gruppe gehören außerdem noch Elena aus Bulgarien, Stefanie aus Deutschland, Liis aus Estland und Martin aus Deutschland.

Baucamp in Kiel

Seit knapp zwei Wochen unterstützen Freiwillige des Bauordens die Maro Temm Wohnungsgenossenschaft in Kiel. In 13 Reihenhäusern werden Kieler Sinti- Familien ein neues Zuhause finden. Die Rohbauarbeiten sind bereits abgeschlossen, nun folgen mit Hilfe der freiwilligen Helfer des Bauordens verschiedene Innenausbauarbeiten.
Die Freiwilligen arbeiten zusammen mit den zukünftigen Bewohnern, zum Mittagessen trifft man sich gemeinsam mit mehreren Sinti-Familien.

Das Projekt soll es den beteiligten Kieler Sinti-Familien ermöglichen, gemeinsam zu wohnen, zu arbeiten und ihre kulturelle Identität zu wahren. Die deutschen Sinti und Roma sind als nationale Minderheit in Deutschland beheimatet. In Schleswig-Holstein leben etwa 5000 Sinti und Roma, in der Landeshauptstadt Kiel sind es etwa 900.


Antje (aus Deutschland) und Ildar (aus Russland)


Peter (Bulgarien), Antje (Deutschland), Albertas (Litauen), Plamen (Bulgarien), Ildar (Russland) und Andrea (Deutschland)


Am Tag der Deutschen Einheit stand ein Ausflug nach Flensburg und ins benachbarte Dänemark auf dem Programm, den die Maro Temm Wohnungsgenossenschaft als Zeichen der Anerkennung für die Bauordensfreiwilligen organisiert hat.




Ein Zeitungsbericht zu den Hintergründen des Projekts:

Kieler Nachrichten vom 24.05.2007

Gestern wurde der Grundstein für das Sinti-Wohnprojekt gelegt

Kiel – Seitlich der Friesenbrücke wird der Atem der Stadt ruhiger: Busbetriebshof, Hallen, einige Häuschen. Am Ende der Diedrichstraße beginnt Maro Temm. Nach vier Jahren Vorarbeit wurde gestern der Grundstein für das Sinti-Wohnprojekt gelegt. Ein Fest ist ein Fest: "Kommt mittenrein", weist Matthäus Weiss, Chef des Landesverbandes der Sinti und Roma, die drei am Rande spielenden Gitarristen an, "nicht so abseits!" Gaardens Ortsbeiratsvorsitzender Bruno Levzow unkt mit Blick auf frühere Proteste gegen das Projekt: "Dafür, dass so viele dagegen waren, sind ja viele hier".

Der Bauplatz für 13 kleine Reihenhäuser in Verlängerung der Diedrichstraße ist fertig. Der Romanes-Ausdruck Maro Temm ("Unser Land") ist Programm, im Fokus zahlreich gezückter (Handy-)Kameras erklärt die Sprecherin des Genossenschaftsvorstands, Renate Schnack: "Hier soll ein schützender Ort und doch offener Ort entstehen, von dem aus insbesondere Kinder hingeführt werden sollen zu Bildung und Ausbildung, zu Arbeit und Teilhabe."

Das Prinzip der "kleinen Nachbarschaften" soll den Weg und damit die Integration für Sinti in die Gesellschaft erleichtern. An dem Ort, an dem mit dem Einzug ab Weihnachten 2007 vertrautes Romanes gesprochen wird, an dem Nachbarschaftsstress mit Nicht-Sinti mangels Masse ausbleibt, können die Kinder eigener Tradition gemäß von Sintinachbarn und -freunden mitbetreut werden, wenn beide Eltern erwerbstätig sind. Das bietet den Rahmen, außerhalb dessen sich die Bewohner in der Kultur der Mehrheitsgesellschaft zurechtfinden können. Weiss kündigt ein gemeinsames Fest mit der benachbarten Freiwilligen Feuerwehr an: "Wir wollen uns nicht verstecken und isolieren" – kein Ghetto also.

Das Areal zwischen den Bahndämmen war anfangs nicht gerade das Traumgrundstück für die Projektziele, weil es nicht eingebettet in die Stadt ist, sondern wie an ihrer Peripherie liegt, aber: Es war das einzige Grundstück, dass die Stadt der Genossenschaft Maro Temm auf Erbpachtbasis (75 Jahre) bot. Innenminister Ralf Stegner ("Kulturelle Vielfalt ist das Gegenteil von Einfalt") freute sich bei der Grundsteinlegung "über die Bereicherung für Kiel". Gerade habe die Investitionsbank ein 1,5-Millionen-Euro-Darlehen zugesagt, das an die Genossenschaft als Wohnungsbauförderungsdarlehen geht – zu gängigen Bedingungen übrigens, 100.000 Euro kommen als Kommunaldarlehen von der Stadt Kiel, die gleiche Summe wollen die Bewohner in Eigenleistung erbringen.

Das Projekt hat von Anfang aneuropaweite Beachtung gefunden. Stegner machte keinen Hehl daraus, dass er sich angesichts dieser Bedeutung von Kiels OB Angelika Volquartz mehr Unterstützung für Maro Temm gewünscht hätte, mit Nachdruck sagte er zu Volquartz' Vertreter, Bürgermeister Peter Todeskino: "Ich werbe dafür, dass diese hohe Bedeutung auch in der Landeshauptstadt so empfunden wird" – Applaus war ihm von den etwa 50 Gästen und Genossen sicher.

Prompt wies Todeskino die Ministerschelte als "unangemessenes Nachtreten" zurück, trotz der "Friktionen in der Vergangenheit" sei die Stadt "sehr froh, dass sich das Projekt gerade in Kiel verortet". Unter den Gästen waren Vertreter aller Fraktionen – allein der Gaardener CDU-Ortsverband ("Integration sieht anders aus") kritisierte gestern die Standortwahl. Dagegen freuten sich Vertreter anderer Minderheiten im Land (Dänen, Nordschleswiger und Friesen) mit besonderer Wärme über "Unser Land" an der Diedrichstraße: Maro Temm.

Von Boris Geißler


Freitag, 5. Oktober 2007

Baucamp in Saarmund

In der Nähe von Potsdam helfen Freiwillige des Bauordens beim Bau einer Pilgerherberge. Auf dem Gelände des Pfarrhauses in Saarmund steht ein kleines altes Waschhaus, das zu einer kostenlosen Herberge ausgebaut wird.

Mit großer Begeisterung haben sich die sechs Freiwilligen in der letzten Septemberwoche in die Arbeit gestürzt. Den geplanten Besuch in Potsdam am Samstag ließen sie ausfallen, um noch letzte Arbeiten zu beenden.

Pfarrerin Almut Gaedt freut sich über die tatkräftige Hilfe der internationalen Gruppe. Auch Handwerker aus der Umgebung haben sich von dem Enthusiasmus der Jugendlichen anstecken lassen, und stellen Material und Arbeitszeit kostenlos zur Verfügung.

Eröffnet werden soll die Pilgerherberge zum 1. Mai – bis dahin steht allerdings noch viel Arbeit an. Sicher werden auch noch einmal Freiwillige des Bauordens in Saarmund mit anpacken.





Cristy, unser neuer Jahres-Freiwilliger aus Panciu in Rumänien. Gefördert wird sein Aufenthalt vom Fonds Erinnerung und Zukunft der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft.


Cristy und Ildar heben einen Graben aus.


Gesa aus Deutschland – sie wird mit dem Bauorden einen Europäischen Freiwilligendienst in Burgas, Bulgarien leisten. Dort unterstützt sie unsere Partnerorganisation FAR.




Die Gruppe bei einer wohlverdienten Pause. Von links: Liis aus Estland, Cristy aus Rumänien, Albertas aus Litauen, Peter aus Bulgarien und Ildar aus Russland.


Die zukünftige Pilgerherberge

Jakobsmuschel aus Saarmund

Ein Zeitungsbericht zum ersten Baucamp in Saarmund Ende März:


Die ersten drei Pilger wanderten bereits nach Nuthetal. Nun soll eine Herberge ausgebaut werden

Nuthetal - „Wir sind hier zwar noch nicht in Spanien, aber Saarmund ist bereits an den Jakobsweg angeschlossen“, sagte Pfarrerin Almut Gaedt den Mitgliedern des SPD-Ortsvereins am Mittwoch auf einer Tour durch den Ortsteil. Drei Pilger haben ihn bereits besucht. Im Landkreis Potsdam-Mittelmark verläuft die Pilger-Strecke von Saarmund weiter über Tremsdorf, Kähnsdorf und Schlunkendorf bis nach Beelitz.

Da auf dem östlichen Zipfel des Weges noch dringend Herbergen gebraucht wurden, stand schnell fest: das alte Waschhaus im Pfarrhof wird Pilgerherberge. Vor einigen Wochen entrümpelten sechs Jugendliche des Internationalen Bauordens das kleine Häuschen, in dem es sogar noch ein altes Plumpsklo gibt. Für ein Taschengeld, Kost und Logis helfen Jugendliche aus vielen Ländern im Auftrag des Bauordens freiwillig bei Vorhaben, für die sonst kein Geld zur Verfügung steht. Am Waschhaus entfernten sie auch den alten Putz und legten die Deckenbalken frei. Dabei stellte sich heraus, dass das Holz der Balken schon ziemlich morsch ist und neue eingezogen werden müssen. In den Sommermonaten wollen Konfirmanden helfen, und im Oktober wird eine weitere Gruppe des Bauordens erwartet, um den Ausbau voran zu bringen.

Zwar ist nach wie vor der Weg auf dem traditionellen Camino vom französischen Saint-Jean-Pied-de-Port über Burgos bis zur spanischen Stadt Santiago de Compostela der berühmteste. Aber Recherchen belegen, dass es nicht nur diese Trasse gibt - über ganz Europa verläuft ein spinnenartiges Wegesystem. Auch in Brandenburg gab es vier verschiedene Varianten des Jakobsweges, haben Wissenschaftler und Studenten der Frankfurter Europa-Universität Viadrina recherchiert. Als Beleg gelten auch die Apostelfigur am Portal der Frankfurter Marienkirche und das im Mittelalter gegründete Jakobus-Spital. Polen und Balten nutzten seinerzeit die Handelsstraßen auf ihrem Marsch zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago. Die einst aufstrebende Handelsstadt an der Oder war im Mittelalter ein Knotenpunkt für mehrere Pilgerwege.

Nun weist bereits ein Wegführer für Jakobspilger den Ort Saarmund aus, der am Ende eines etwa 25 Kilometer langen Streckenabschnittes liegt und in Berlin-Marienfelde beginnt. Das ist das durchschnittliche Tagespensum der Wanderer auf Sinnsuche. Gaedts freut sich, dass der Weg schon angenommen wird. Zwar ist die Herberge noch nicht bezugsfähig, weshalb vorerst im Pfarrhaus Quartier gewährt wird, wo auch die ersten drei Saarmunder Pilger schliefen. Aber es gibt schon einen Saarmunder Stempel mit der symbolischen Jakobsmuschel, auf der die Ortskirche abgebildet ist. „Jeder Stempel zählt, auch wenn es nur Teilstrecken sind. 200 Kilometer muss jeder gelaufen sein“, sagt die Pfarrerin. Doch die heute asphaltierten Straßen eignen sich nicht mehr zum Wandern, weshalb versucht wurde, neue parallel laufende Wege zu finden, die angenehmer für Fußgänger und Radfahrer sind. Pilgerziel ist die Stadt Magdeburg, die aber auch schon über einen Weg, der von Polen über Görlitz verläuft, an das Wegenetz angebunden ist. Von dort erstrecken sich Pilgerpfade bis nach Süddeutschland.

Noch in diesem Jahr sollen die 150 Kilometer des ostbrandenburger Jakobsweges mit dem typischen Muschelzeichen ausgeschildert werden. Gehofft wird, dass die Pilgerbegeisterung, die die Bestseller von Paulo Coelho und von Hape Kerkeling ausgelöst haben, auch in der Region für touristische Effekte sorgen.

Potsdamer Neueste Nachrichten 27.04.2007

Bunte Hunde in Bulgarien - Fotos



















Erik und Jozef aus den Niederlanden, Maria-Magdalena aus Deutschland und Magdalena und Gabriele aus Österreich haben in Sredets geholfen, das Kinderheim zu renovieren.

Freitag, 28. September 2007

Baucamp in Wickersdorf - Teil 2

Inzwischen ist das Baucamp in Wickersdorf zu Ende gegangen - und das Ergebnis kann sich sehen lassen!

Hier einige weitere Eindrücke von den Fortschritten der Arbeit:



Champlain (Kamerun), Joost (Deutschland) und Albertas (Litauen) bei der Arbeit


Die Gruppe beim Mittagessen


Die erste Wand wird aufgerichtet


Liis (Estland)


Julia, Mariel und Zofia


Innenansicht

Der - fast - fertige Schuppen

Freitag, 14. September 2007

Bunte Hunde in Bulgarien

Sehr geehrte Mitarbeiter des Internationalen Bauordens!

Wie im letzten Jahr wollte ich meine Ferienzeit auch in diesem Sommer nutzen und habe mir wieder eines ihrer Bauprojekte ausgesucht. Diesmal führte mich mein Weg nach Bulgarien, in die kleine Stadt Sredets.

Drei Wochen lang haben Gabi und Magdalena aus Österreich, Erik und Jozef aus den Niederlanden, ich und unser bulgarischer Freund und Übersetzer Georgi Ivanov im Kinderheim von Sredets gearbeitet.

Unser Wohnhaus, ein Hochhaus, in dem Schüler während der Schulzeit leben und das während unseres Aufenthaltes renoviert wurde, befand sich am Rande der Stadt in direkter Nachbarschaft zu dem Kinderheim und zu der Schule, in deren Kantine wir jeden Tag Frühstück und Mittagessen einnahmen. Der Fußmarsch ins Zentrum dauerte etwa eine Viertelstunde. Dort haben wir jeden Abend in einem Restaurant, eine sogenannte „Mexanata“ gegessen und die bulgarische Küche genossen. Der Tisch und das Essen war immer für uns vorbestellt von Rosi Petscheva, eine Freundin von Violeta Kyoseva von FAR und Bildungsbeauftragte der Stadt Sredets. Sie hat sich um alles Organisatorische gekümmert.

Neben der Planung für unsere Wochenendausflüge hat sie u.a. dafür gesorgt, dass wir Kühlschränke bekommen haben (!) und dass wir uns mit den Jugendlichen des örtlichen Vereins zum Volleyballspielen treffen konnten.

Ich bin als erste am Samstagmorgen angekommen. Die Abholung am Flughafen hat gut geklappt. Am Abend haben Rosi und ich zusammen mit unserem Übersetzer, Georgi Jabov aus Sredets, die zwei österreichischen Mädels vom Flughafen abgeholt. Zum Abendessen waren wir dann zum ersten Mal in der Mexanata. Wir sind gefragt worden, was wir gerne hätten: Hühnchen, Schwein oder Vegetarisches? Wir haben uns für Hühnchen entschieden. Und wir bekamen Hühnchen, aber nur Hühnchen! In vier verschiedenen Variationen! Dazu gab es bulgarisches Bier. Das war schon mal ein interessantes Geschmackserlebnis.

Den Sonntag über waren wir auf uns gestellt und haben uns auch selbst versorgt – wie die nächsten Sonntag auch, eingedeckt mit fetten Essenspaketen aus der Kantine, die für eine Woche gereicht hätten. Am Abend sind dann noch die Jungs aus Holland angekommen.

Beim Mittagessen in der Schulkantine am nächsten Tag tauchten Rosi und zwei uns noch unbekannte Damen auf. Wir setzten uns zusammen und sie stellten sich als die Verantwortlichen von FAR vor: Petya Petrova und Violeta Kyoseva.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde sind wir zusammen ins Kinderheim gegangen, wo wir die Direktorin getroffen haben und uns erklärt wurde welche Arbeiten wir übernehmen sollten. Danach haben wir uns ins Rathaus zu einem Besuch beim Bürgermeister begeben. Er und die Leute in der Stadt konnten sich überhaupt nicht vorstellen, warum wir hier sind und was für eine Arbeit wir da machen, dass junge Westeuropäer hierher kommen und in ihrer freien Zeit arbeiten. Wir sind aufgefallen wie Bunte Hunde. Man hat uns erzählt, dass wir von den Leuten „Die internationale Brigade“ genannt werden. Und in der Mexanata waren wir bekannt als „Die Engländer“.


Die Arbeit


Am Dienstag ging die Arbeit los. In drei großen Durchgangsräumen mussten die alten Tapeten, eine Art Teppichboden an der Wand, runter, da sie als gesundheitsschädlich galten. Das Herunterreißen war kein Problem. Allerdings waren an den Wänden die Papierrückseiten der Tapeten hängen geblieben und die mussten nun in Zeit aufwändiger Geduldsarbeit mit Spachteln abgekratzt werden. Diese Aufgabe allein hat mehr als zwei Tag in Anspruch genommen. Das hat dann schon manchmal genervt. Es war nicht besonders schwer, aber die Tapete klebte noch sehr hartnäckig an der Wand. Darunter befand sich der Kleber. Er war zwar angetrocknet, aber es war nicht möglich mit Farbe darüber zu malen. Die Direktorin wollte jedoch nicht neu tapezieren. So wurde einen Tag lang diskutiert wie weiter vorgegangen werden soll. In der Zwischenzeit haben wir damit begonnen den Gartenzaun neu mit grünem Lack zu streichen.

Ende der Woche kamen dann professionelle Meister die über die verkleisterten Wände eine Masse spachtelten, damit sie dann bestrichen werden konnten, wobei uns die erfahrenen Männer auch tatkräftig zur Seite standen.

Innerhalb der drei Wochen konnten wir alle Aufgaben, die wir uns vorgenommen hatten, problemlos in Angriff nehmen und fertigstellen. In den ersten Tagen waren wir besonders motiviert, was dann mit der Zeit etwas nachgelassen hat, was hauptsächlich an der großen Hitze lag und an der Verlockung lieber mit den Kinder zu spielen, aber auch daran, dass die Bauarbeiter einen Teil unsere Arbeit übernommen hatten.

Wir haben also die drei Räume fertig gestrichen und dazu den Gang im Keller und die Straßenseite des Maschendrahtzaunes. Diese Arbeit ist zum Teil noch vor dem Frühstück erledigt worden, weil es später am Tag so heiß war, dass es nicht erträglich war in der Hitze zu arbeiten.


Freizeit und Ausflüge


In unserer Freizeit haben wir uns ausgeruht, die Stadt erkundet und Besorgungen gemacht oder sind rüber ins Kinderheim zu den Kindern gegangen. Einige sind auch ein paar Mal mit dem Bus nach Burgas an den Strand gefahren.

An den Wochenenden waren Ausflugsprogramme für uns organisiert worden. Der Direktor des Kulturzentrums in Sredets und ein anderer Herr, der ebenfalls Mitglied im Kulturverein ist und Leiter eines Behindertenheimes in einem Nachbarort, haben sich mit uns im Minibus auf den Weg gemacht, den Südosten Bulgariens zu erkunden: Das schöne Küstenstädtchen Sozopol, der Strandja-Nationalpark, der Strand an der Südküste in direkter Nachbarschaft zur Türkei und kleine orthodoxe Kirchen an heiligen Quellen waren nur einige Stationen auf unseren Trips.

Am letzten Freitagnachmittag haben wir noch mal mit allen Verantwortlichen einen Ausflug nach Nessebar unternommen. Dieses Städtchen gilt neben Sozopol als schönstes Reiseziel an der bulgarischen Schwarzmeerküste .


Ciaobye


Die drei Wochen in Bulgarien waren wirklich etwas besonders, was letztendlich – glaube ich - am meisten an den Kindern lag. Die Kleinen, zwischen drei und sechs Jahre alt und über 60 an der Zahl, haben sich immer riesig gefreut, wenn wir am Morgen zur Arbeit gekommen sind oder einfach am Nachmittag vorbeigeschaut haben. Wir haben sie schon von weitem nach uns rufen hören. Unser Spitzname war „Ciaobye“, weil wir uns, als wir zum ersten Mal bei ihnen gewesen waren, mit „Ciao“ und mit „Bye“ verabschiedet hatten. Das war echt lustig, als uns dann immer „Ciaobye“ entgegen gerufen wurde. Es ist einfach unglaublich was so kleine Menschen in einem bewegen können. Jetzt in den Wochen danach vermisse ich sie noch am meisten.

Auch sonst hatten wir tolle soziale Kontakte mit Einheimischen, sei es mit den Betreuerinnen, mit unserem Kellner oder eben mit Georgi Jabov und seiner Familie. Wir konnten sogar etwas Bulgarisch lernen.

Großes Glück hatten wir auch mit unserem Georgi Ivanov, der ja zuvor ein Jahr in Deutschland beim IBO gearbeitet hatte und sehr gut Deutsch spricht. Er hat uns die bulgarische Lebensart noch näher gebracht und immer perfekt gedolmetscht. Ohne ihn wären wir oft hilflos gewesen. Vielen Dank!


Abschied und Dank


Das Beeindruckendste am ganzen Baulager war wohl der Abschied. Als wir am letzten Tag ins Kinderheim gingen, hatten wir keine Ahnung was uns erwarten würde. Da standen die Kleinen ganz schick angezogen nebeneinander aufgereiht. Die Betreuerinnen haben sich mit ganz lieben Worten bei uns, auch im Namen der Kinder, bedankt: für die Arbeit, die wir im Kinderheim geleistet haben und dass wir unsere freie Zeit mit den Kindern verbracht haben. Dann wurde uns ein Ständchen gesungen und die Kinder haben uns selber gebastelte Geschenke überreicht.

Anschließend waren wir mir Geschenke verteilen dran. Spielsachen und Kuscheltiere, die wir von Zuhause mitgebracht oder noch in Sredets besorgt hatten – damit jedes Kind eines bekommt - haben wir an die Kids verteilt. Das war wie an Weihnachten.

An diesem Tag war auch eine Reporterin vom örtlichen Radiosender da, die uns anschließend interviewte. Alle haben sich so herzlich bei uns bedankt. Die Verantwortlichen von FAR haben uns erklärt wie schwierig es ist, die Menschen in Bulgarien von freiwilliger Arbeit oder sozialem Engagement zu überzeugen. Sie stoßen auf viel Misstrauen und können nur wenige Leute für ein Projekt des Bauordens gewinnen. Sie sagten, wir hätten ihnen sehr geholfen, den Menschen in Bulgarien zu zeigen, was mit so einem Einsatz verbunden ist und welcher Gewinn diese Begegnungen für die Verständigung der Europäer darstellt.

Wir waren alle total überwältigt von so viel Dankbarkeit. Damit hatten wir wirklich nicht gerechnet. Was für Auswirkungen unser Aufenthalt haben würde! Es sind einige Tränen geflossen. Das war wirklich eines der beeindruckendsten Erlebnisse, die ich je hatte.

Der Dank kommt aber auch von unserer Seite. Neben allen Verantwortlichen und Organisatoren ist besonders auch Georgi Jabov zu danken. Wir hatten den Eindruck, dass er mit der Aufgabe sich um uns zu kümmern und für uns zu übersetzen, überrumpelt worden war. Wahrscheinlich deshalb, weil er einzige ist, der Englisch sprechen kann. Wir sind ihm für seine Mühen und seine Gastfreundschaft und die seiner Mutter sehr dankbar.

Ich habe wunderbare Erfahrungen und Begegnungen erlebt, die ich nie vergessen werde.

Und ich bin vor allem auch ihnen sehr dankbar, dass sie das ermöglicht haben.

Allgemein möchte ich ein großes Lob an den Internationalen Bauorden aussprechen. Dank Georgi, der uns viel von seinen Erfahrungen in Deutschland erzählt hat, habe ich jetzt einen besseren Einblick in die Arbeit des IBO und fühle mich mehr damit verbunden.

Herzlichen Dank für diese Chance!

Liebe Grüße und „Ciaobye“


Maria-Magdalena



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