Montag, 19. Dezember 2011

Auf geht's nach Quetzdölsdorf...

Quetzdölsdorf – ein kleines Dorf in Sachsen-Anhalt mit seltsamem Namen. Wie ausgestorben liegt es da, wenn man hindurchgeht. Eine Bäckerei am Straßenrand hat noch Brot in der Auslage – vertrocknet, die Schilder innen sind vergilbt – der Laden ist schon lange geschlossen. Eine Kneipe ist vorhanden. „Wegen Urlaub geschlossen“ steht an der Tür. Halb verfallene und leerstehende Häuser und Scheunen aus Backstein- und rotem Porphyrmauerwerk. Drum herum die etwas trostlose flache Landschaft mit den riesigen landwirtschaftlichen Flächen der ehemaligen LPG.

Doch der Schein trügt. Im Dorf regt sich etwas. Der im Jahr 2005 von Christine Wenzel und Veit Urban gegründete Verein „Land.Leben.Kunst.Werk e.V“ mit Sitz im Schloss von Quetzdölsdorf wirkt der Landflucht entgegen. Ziel des Vereins ist es, die Kulturlandschaft neu zu beleben, den ländlichen Raum als wertvolles Lebensumfeld wiederzuentdecken und zu gemeinschaftlichem Wirken in der Dorfgemeinschaft anzuregen. (vgl. www.landlebenkunstwerk.de).


Viele Arbeiten wurden bereits vom Verein in Zusammenarbeit mit den Dorfbewohnern durchgeführt. So etwa der Schaugarten vor dem Schloss mit alten, teils vergessenen Gemüsesorten. Oder der Hochseilgarten im Wäldchen, der als Mittel der Abenteuerpädagogik für Jugendliche gebaut wurde. Die Renovierung des Pfarrhauses und der dazugehörigen denkmalgeschützten Pfarrscheune steht momentan im Mittelpunkt. Das Pfarrhaus soll als Wohngemeinschaftshaus, die Pfarrscheune als „Biogartenküche“/ Dorfwerkstatt mit Räumen für Seminare, Übernachtungen und Atelier umgestaltet werden.


















Der Internationale Bauorden unterstützte dieses Projekt im Jahr 2011 gleich mit zwei Baucamps. Das zweite Baucamp fand vom 7. bis 20. August statt. Anfangs waren wir sieben deutsche Teilnehmer, später sind noch ein Praktikant, ein FÖJler (Freiwilliges Ökologisches Jahr) und eine Freiwillige aus Russland hinzugekommen. Die Anreise geschah größtenteils mit der Bahn. Unterkunft während des Baucamps war das bereits erwähnte, vom Verein gemietete Schloss, das nur wenige Gehminuten vom Pfarrhaus, unserem Arbeitsort, entfernt war. Frühstück und Abendessen mussten wir uns selbst mit den Mitteln unserer Vorratskammer bereiten, das Mittagessen organisierte der Verein. Um es treffend zu sagen: die Verpflegung war reichlich und tadellos. Die Arbeit im Baucamp war freiwillig ohne Entgelt. Auf der Baustelle standen uns ein Betreuer und ein gelernter Maurer stets mit Rat und Tat zur Seite. Obwohl die Arbeitzeit 40 Wochenstunden betrug, hatten wir doch immer genug Zeit zur freien Verfügung. Mit den vom Verein zur Verfügung gestellten Fahrrädern erkundeten wir die Landschaft, sammelten Zwetschgen und Mirabellen und besuchten den größeren Ort Zörbig. Es war August, das Wetter zeigte sich fast immer von seiner schönsten Seite. Nach der Arbeit konnten wir deshalb in den Steinbruchseen am Quetzer Berg baden gehen. Die Abende verbrachten wir größtenteils am Lagerfeuer und am Wochenende konnten wir sogar einen Tagesausflug nach Leipzig unternehmen.

Während unserer zwei Wochen im Baucamp wurde sowohl im Pfarrhaus und der Pfarrscheune, als auch an dem der Pfarrscheune angeschlossenen Schuppen gearbeitet. Im Pfarrhaus wurden Fenster und Türen vom alten Lack befreit und neu gestrichen. Im Dachgeschoss wurden die Wände mit Lehm verputzt. In der Pfarrscheune hat man die Gefache teils mit Lehm- teils mit Kalkputz erneuert.

Die Haupttätigkeit lag beim Renovieren des Schuppens, der direkt an die Scheune angebaut ist. Früher sollen dort Ziegen, Schweine und eine Kuh gehalten worden sein, später wurde der linke Raum vom Pfarrer als Kohlenlager genutzt. Aufgrund der großen Wandstärke vermutet man, dass Teile des Gemäuers noch auf die Stammburg von Quetzdölsdorf aus der Zeit der Sorben zurückgehen.

Aufgabe war es, das durch Witterung und Alter geschwächte Gefüge des Mauerwerks wieder zu stärken und dem Schuppen ein neues Dach zu geben. Dazu waren folgende Arbeiten notwendig:

- Verräumen von Schutt

- Anmischen von Kalkmörtel

- Verfugen von Bruchsteinmauern

- Mauern mit Bruchsteinen und Ziegelsteinen

- Konstruieren eines Pultdaches

Welche Arbeiten man ausführte konnte sich jeder selbst aussuchen. Jeder machte das was er konnte und man wurde auch nicht zu irgendeiner „schlechten“ Arbeit verdonnert. Der Umgang mit alten Baustoffen wie Lehm, Kalk, Bruchsteinen, das Wiederverwenden alten Baumaterials wie z. B. Ziegel aus einem Abbruch und die alten Bauweisen wie Lehmfachwerk und Bruchsteinmauern gefiel uns allen sehr gut.

Auch der Kontakt zum Projektträger war stets vorhanden, da unsere Unterkunft, das Schloss Quetz, gleichzeitig der Sitz des Vereins ist. Gemeinsame Mittagessen, ein Nachmittag im Klettergarten, die Abende am Lagerfeuer und viele weitere Aktivitäten sorgten für eine heimische Atmosphäre. Die Erwartungen, die wir von unserem Einsatz hatten, wurden bei allen mehr als erfüllt.

Fabian Köppel

Montag, 22. November 2010

Teilnehmertreffen in Dresden

Ein Wochenende des Wiedersehens und Kennenlernens, des Gedankenaustauschs, des Rückblicks und des Planens für die Zukunft.

Nachdem alle Teilnehmer das Hans und Sophie Scholl-Haus im Dresdener Vorort Papritz gefunden hatten, begann das Treffen mit einer kurzen Vorstellungsrunde am Freitagabend. Schnell entstand unter den Teilnehmern eine gewisse Verbundenheit durch die gemeinsamen oder doch zumindest ähnlichen Erfahrungen mit dem Bauorden. Es herrschte den ganzen Abend eine angenehm lockere Atmosphäre. Das „Mörder-Spiel“ heiterte das Ganze sehr auf, auch wenn es zu äußerstem Misstrauen gegenüber jeglicher freundlicher Geste zwang.



Noch etwas müde machten wir uns am Samstag nach dem gemeinschaftlichen Frühstück daran, noch produktiver zu werden als am Tag zuvor. In Gruppen überlegten wir uns ein symbolisches „Traumcamp“, und formulierten so unsere Wünsche für ein perfektes Camp. Danach machten wir uns gemeinsam Gedanken darüber, was verbessert werden kann, was nur wenig beeinflussbar ist und was essenziell dafür ist, ein Camp als „gelungen“ bezeichnen zu können.



Um das Ganze etwas aufzulockern, wurde danach eine Schnitzeljagd veranstaltet, bei der wir Gruppenweise nacheinander loszogen und an verschiedenen Stationen rund um das Haus Aufgaben lösten und sowohl mit Spaß als auch Ehrgeiz versuchten, mehr Punkte als die anderen Gruppen zu gewinnen. Später am Tage lauschten wir dem interessanten und emotionalen Vortrag von Agnes Daroczi, die uns von der Problematik der Roma in Ungarn berichtete. Der Bauorden konnte dieses Jahr Romafamilien helfen, die Opfer der Anschlagreihe aus 2009 geworden waren. Am Abend teilte sich die Gruppe, da ein Teil Dresden besuchen wollte, das an diesem Wochenende 20 Jahre Wiedervereinigung feierte. Leider war das Konzert schon zu Ende als wir ankamen, doch dank dem Besuch des Kneipenviertels und anregenden Gesprächen nach unserer Rückkehr wurde es dennoch ein schöner Abschlussabend.



Am Sonntagmorgen stand neben einigen Vorträgen zu Baucamps auch die Wahl der Teilnehmervertretung an, die aber nach den notwendigen Erklärungen zu deren Tätigkeit recht schnell über die Bühne ging. Gewählt wurden Björn Käs und Franziska Fischer, die beide - mit Freude und dem Versprechen, ihr Amt mit Engagement auszuführen - ihre Wahl annahmen.

Es war für mich persönlich eine sehr tolle und interessante Zeit, so viele engagierte Menschen auf einmal kennenzulernen und mit ihnen zusammen zu arbeiten. Wir hatten sehr viel Spaß und haben voneinander und miteinander gelernt. Auch die wichtigen Aspekte wie die Wahl der Vertretung haben wir gut und vor allem gemeinsam abgearbeitet.



Auch wenn das Teilnehmertreffen nicht unmittelbar hilft, ist es doch äußerst wichtig für den Bauorden. Und obwohl wir nicht auf der Baustelle gestanden, kam so eine Konstellation von Freiwilligen dem des Traumcamps doch sehr nahe.

Hoffentlich sehen wir uns im nächsten Jahr wieder!


Jannis Graber

Mittwoch, 15. September 2010

Jung und Alt treffen sich im Baucamp in Simferopol (Ukraine)

Bericht eines älteren Freiwilligen über ein 14-tägiges europäisches Projekt

Dr. Dietmar Eisenhammer - Дитмар Айзенхаммер - ВОЛОНТЁР

Zusammen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Deutschland, Belgien, Russland und der Ukraine war ich als Senior mit meinen 66 Jahren vom 21. August bis 5. September 2010 über den Internationalen Bauorden – IBO in Ludwigshafen (www.bauorden.de) bei meinem sechsten Freiwilligeneinsatz nach Frankreich, Italien und Deutschland - dieses Mal auf der Krim in Simferopol (Ukraine), das mit Heidelberg eine Partnerschaft hat.


Das Besondere an dem jetzigen Einsatz war, dass er im Zusammenhang mit dem Projekt „Reichlich Armut in Europa – junge Europäer denken und handeln zum Thema Armut und soziale Ausgrenzung“ von „Jugend für Europa“, der deutschen Agentur für das EU-Programm „Jugend in Aktion“, gefördert wurde. Die Teilnehmer des Baucamps diskutierten sehr intensiv die angesprochenen Aspekte. Als Hauptergebnis der Gesprächsrunden ist festzuhalten, dass es eine allgemeine Definition von Armut nicht gibt. Armut variiert von Staat zu Staat. Sie hängt von der jeweiligen Situation ab, und Armut führt nicht automatisch in die soziale Ausgrenzung. Neben diesen mehr theoretischen Erörterungen bildeten die Bau- und Renovierungsarbeiten im Alten- und Pflegeheim „Pansionat prestarelych“ im Zentrum von Simferopol den praktischen Hintergrund. In dieser Einrichtung leben Personen mit Behinderungen sowie alte und pflegebedürftige Menschen. Hier hat die soziale Ausgrenzung zwei Gesichter: einmal die Situation im Altersheim selbst und dann die Besonderheiten außerhalb der Senioreneinrichtung. Viele der Bewohner sind blind, taub und gehbehindert. Dann scheitert vieles daran, dass es z.B. in Simferopol überhaupt keine alten- und behindertengerechten Transportmöglichkeiten gibt. Alles in Allem muss ein langfristiges und mehrjähriges Programm durch die EU auf den Weg gebracht werden, um die soziale Ausgrenzung der Senioren zu vermindern. Erst dann hat die Idee „Jung trifft Alt“ eine nachhaltige Wirkung.


14 Tage lang also begegneten sich „Jung und Alt“ ganz hautnah während unserer Arbeiten auf dem Gelände des Alten- und Pflegeheimes. Dabei waren wir beschäftigt mit gärtnerischen Pflegearbeiten, wie ich z. B. mit dem Heckenschneiden, dann mit dem Malen und Streichen von Bänken, Türen und Fenstern sowie mit Renovierungen und Reparaturmaßnahmen im Innen- und Außenbereich. Wir arbeiteten 5 Tage in der Woche, jeweils vormittags 4 ½ Stunden. Dabei hatten wir herzliche Kontakte zu den Bewohnern der Einrichtung, die oftmals sogar versuchten, mit uns ein wenig Deutsch zu reden. Schade, dass ich nur ein paar Worte Russisch konnte, um diese Aufmerksamkeiten richtig zu erwidern. Ganz generell fühlte ich mich, wenn ich alleine unterwegs war, ohne die russischen Sprachkenntnisse, sehr unsicher, weil ich auch fast immer mit Englisch nicht weiter kam. Nach getaner Arbeiten erkundigten wir am Nachmittag Simferopol. Sie ist die Hauptstadt der Autonomen Republik Krim und hat rund 350.000 Einwohner. An den Wochenenden unternahmen wir vielfältige Ausflüge in die nahe und weitere Umgebung, so unter Anderem auch nach Jalta und Sebastopol. Die Transportkosten waren dabei bescheiden. So kostete eine Busfahrt innerhalb der Stadt umgerechnet rund 0,20 Euro. Die Fahrt nach Jalta im Rahmen der längsten Trolleybusstrecke der Welt bei einer Dauer von fast rund 2 ½ Stunden kostete lediglich umgerechnet 1,20 Euro.


Das Baucamp fand in Zusammenarbeit mit dem Baulyzeum statt. Hier werden Schüler auf handwerkliche Berufe vorbereitet. Die Lehrer erarbeiten für die Schule ein neues Projekt weg vom Frontalunterricht und hin zu Praktika auf Baustellen, wobei die Schüler auch an soziales Engagement herangeführt werden. Im Wohnheim des Baulyzeums waren wir ausgezeichnet untergebracht. Lediglich die Jugendlichen aus Simferopol wohnten bei ihren Eltern. Um eine Erfahrung reicher wurden wir alle, weil das Wasser während der Nacht, wie so oft in der Ukraine üblich, bis früh 6 Uhr abgestellt wurde! Frühstück und Abendessen, die eigens für uns zubereitet wurden, erhielten wir in der schuleigenen Kantine. Das Mittagessen wurde immer im Altenheim eingenommen. Das typische Weißkraut (Kapusta) gab es dabei in allen möglichen Variationen. Für mich als gesundheitsbewusster Senior waren die Mahlzeiten oftmals sehr gewöhnungsbedürftig.


Während unseres gesamten Aufenthaltes wurden wir in anerkennender Weise quasi rund um die Uhr von Tanja, Diana und Natalia aus dem Baulyzeum in deutscher und englischer Sprache betreut. Das war schon einmalig! So besuchten wir die vielfältigen Parkanlagen sowie eine Kunstgalerie in Simferopol, waren abends auf einem Konzert sowie ein Discobesuch stand mit auf dem Plan. Der Besuch des „Heidelberg-Hauses“ durfte nicht fehlen. Diese mit deutschen Spendengeldern aufgebaute Einrichtung gibt Deutsch- und Russisch-Unterricht und kümmert sich um kriegsgeschädigte Bewohner. Sogar Karten wurden für uns besorgt, um das Europaligaspiel „Bayer Leverkusen“ gegen „Simferopol Tavrija“ besuchen zu können. Leider hatte Simferopol 3:1 verloren. Wir hatten unsere Plätze auf der Fantribüne von Bayer Leverkusen. Neben etwa 20 Personen aus Köln waren wir die einzigen Anwesenden. Trotzdem genügte dies, uns von den Fans aus Simferopol fernzuhalten. Mit der Folge, dass wir am Ende des Spiels mit Polizeieskorte zu einem eigenen Bus gebracht und nach Hause gefahren wurden. Welch hohe Aufmerksamkeit! Große Ehre wurde uns auch zuteil, weil wir bei der Eröffnung des neuen Schuljahres des Baulyzeums als besondere Gäste mit anwesend waren und ich sogar für unsere Gruppe eine kleine Rede halten durfte. Der anschließende Rundgang durch das Schulgebäude und die Klassenzimmer beeindruckte uns sehr, weil wir ganz anschaulich sahen, welch breite Palette von Berufen die Jugendlichen erlernen können.


Die spezielle Aufmerksamkeit für dieses Europäische Projekt „Jung trifft Alt: Armut und soziale Ausgrenzung“ zeigte sich daran, dass über unseren Einsatz im Alten- und Pflegeheim ein Fernsehbeitrag erstellt und abends in den Regionalnachrichten gesendet wurde. Hierdurch wurden wir in Simferopol so bekannt, das man mich auf der Straße als „TV-Star“ begrüßte. Eine wirklich nette Geste!

Am Ende unseres Freiwilligeneinsatzes wurden wir vom stellvertretenden Leiter des Baulyzeums, Nikolai Nasedkin, auf sehr herzliche Weise mit Geschenken verabschiedet. Er dankte uns für die geleistete Arbeit. Ein eigenes Diplom in Russisch über unsere Teilnahme an dem Baucamp wurde jedem zusätzlich überreicht. Das war für uns eine besondere Auszeichnung. Diese Urkunde hat jetzt in meinem Zuhause einen besonderen Platz.


Für mich waren diese 14 Tage in Simferopol auf der Krim in der Ukraine eine weitere Erfahrung in meinem Projekt „Europa braucht die Älteren“. Der Kontakt mit östlichen Nachbarn hat meinen Horizont erweitert. Allein schon die Tatsache, dass ich jetzt meine begonnenen Anstrengungen, die russische Sprache zu erlernen, fortsetzen werde, zeigt den Einfluss dieses Baucamps in Simferopol auf meine zukünftigen Aktivitäten als „Älterer Freiwilliger aktiv in Europa“. Man ist wirklich nie zu alt um etwas Neues zu lernen. Jetzt habe ich eine neue Herausforderung. Denn nächstes Jahr soll wieder ein Baucamp mit russischem Bezug in meinem Terminkalender stehen.

Wiesbaden, 9. September 2010

Sonntag, 12. September 2010

Baucamp in Biancavilla - Schwitzen unter sizilianischer Sonne

Vom 25.07.-07.08.2010 habe ich mit 9 anderen Freiwilligen am Baucamp in Biancavilla/Italien teilgenommen. Die Gruppe bestand aus 3 Deutschen, 5 Belgiern und 2 Italienern im Alter von 19 bis 29 Jahren, die sich sehr schnell gefunden und gut verstanden hat. Am Anreisetag trafen wir uns alle auf dem Flughafen und sind dann gemeinsam zum Projektort, der „Casa di Maria“ gebracht worden. Als uns Sergio, der Hausherr, begrüßt und uns das Projekt vorgestellt hatte, bezogen wir unsere komfortablen Zimmer mit eigenem Bad.



Am nächsten Morgen nach dem Frühstück an einer großen Tafel mit der Familie des Hauses traten wir unsere erste Arbeitsaufgabe in den Olivenhainen an. Dort entfernten wir auf mehreren terrassenartig angelegten Feldern verdörrtes Gras, reinigten das Areal und präparierten die Olivenbäume mit Steinen und Erde, so dass sie feuerfest sind, da es im Sommer bei den hohen Temperaturen häufig zu Bränden kommen kann. Diese Arbeit hat sehr viel Zeit, Schweiß und Nerven gekostet.



Weiterhin gab es viele Arbeiten am und im Haus zu verrichten: so halfen wir regelmäßig bei der Hausarbeit und bereiteten auch gemeinsam mit Carmela, der Hausmutter, das Essen für die Gruppe zu. Auf dem Gelände der Casa di Maria entstand weiterhin ein neues Gebäude, welches als Werkstatt dienen soll. Dort legten wir unter anderem ein Fundament, dem vorausging, dass wir Steine unterschiedlicher Größe sammeln und in Eimern transportieren mussten, was körperlich sehr anstrengend war. Da wir 2 männliche Freiwillige in der Gruppe hatten und auch Sergio und 2 andere junge Männer auf der Baustelle waren, nahmen sie uns die ganz schweren Arbeiten bereitwillig ab.



Wir hatten sogar die Möglichkeit Beton zu mischen, was vielen von uns sehr viel Spaß bereitet hat, da man sowas vorher noch nie gemacht hatte. Zu den Arbeiten kamen noch kleinere Tätigkeiten wie Zäune, Tische und Bänke abschleifen sowie diese zu lasieren. Hinzu kamen Aufräumarbeiten au dem Gelände und das Verzieren einer Steinmauer mit Mosaiken – für die Kreativen unter uns eine gelungene Abwechslung zur manchmal doch sehr schweren körperlichen Arbeit.



Die Arbeitszeiten waren so geregelt, dass wir vormittags etwa 4 Stunden arbeiteten und mittags 2-3 Stunden Pause hatten, in der wir immer ein sehr opulentes Essen mit der Familie einnahmen und uns ein wenig in den Hängematten, beim Kartenspielen oder Lesen entspannen konnten. Nachmittags ab 16 Uhr ging es dann weiter und wir arbeiten immer bis etwa 19 Uhr, manchmal auch länger, wenn dringend etwas fertig werden musste. Aufgrund der Hitze war die nachmittägliche Arbeit immer um ein deutliches angenehmer als vormittags in der heißen Sonne zu schwitzen. Abends wurde es aufgrund der Höhenlage am Fuße des Ätna immer etwas kühler und sehr angenehm. Nach dem Abendessen, was auch manchmal bis 22 Uhr dauerte, konnten wir daher noch ein paar schöne Stunden draußen mit belgischen Kartenspielen oder angenehm-lustigen Gesprächen verbringen.


An den Wochenenden fuhr die Familie mit uns zwei Mal ans Meer, was wir sehr genossen und uns gut entspannen konnten. Auch die lange fahrt beim zweiten Ausflug hat sich wirklich gelohnt, da wir den Nachmittag an einem sehr idyllischen und nicht von Touristen bevölkerten Strand bei Syrakus verbracht haben. Auf Wunsch der Gruppe konnten wir auch auf den Ätna machen, der geradezu vor unserer Nase lag und den wir den ganzen Tag lang während der Arbeit beobachten konnten. Leider waren wir zu spät dort um bis auf den Gipfel zu fahren, aber auch auf einem der unteren Plateaus war es sehr schön und beeindruckend.



Des Weiteren veranstaltete die Familie am ersten Samstag eine Party für Freunde, Bekannte und Dorfmitglieder - Anlass dafür war, dass die Familie mit ihrem Projekt nun schon 3 Jahre vor Ort ist. Die Party war gut und sehr professionell vorbereitet. An dem Abend waren etwa 100 Leute da und es war schön inmitten der sizilianischen Lebensfreude mit unterschiedlichsten Menschen mehrerer Genrationen zu essen, zu trinken und zu feiern. Dieser Abend war unvergesslich und wir als Freiwillige haben bis zum Ende durchgehalten.


Alles in Allem war das Camp schön, auch wenn man sich als Mitteleuropäer an viele Gegebenheiten und Umstände erst gewöhnen bzw. sie einfach akzeptieren muss – alles braucht seine Zeit, nichts geschieht mit Hektik , Zeitangaben sind nur ungefähre Richtwerte und Organisation bekommt eine ganz neue Definition. Die Familie hat uns nett aufgenommen, uns kulinarisch immer sehr gut und ausreichend versorgt und uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich gemacht. Spontane Veränderungen haben wir bereitwillig akzeptiert, wie zum Beispiel die Ankunft einer zehnköpfigen Familie aus Catania, deren Haus abgebrannt war und diese auf dem Hof der Pennisis Unterkunft suchte. So rückten wir enger zusammen und räumten ein großes Zimmer für die Familie, schenkten ihr Kleidung und kleine Annehmlichkeiten aus unserem Hab und Gut. Allein die Kommunikation zwischen uns und der Familie Pennisi war manchmal etwas schwierig, da sie kein Englisch sprach und wir kaum italienisch. Ein großes Dankeschön gilt daher Gesine, die 2 Wochen lang bereitwillig eine sehr gute Dolmetscherin war!

Susann Thiele, 01.September 2010

Donnerstag, 9. September 2010

Baucamp hat ungebrochen Zugkraft

Seit nunmehr 20 Jahren legen junge Leute aus verschiedensten Ländern im Sommer Hand an den Begegnungsbahnhof Hasel.

HASEL. Technomusik schallt dem Besucher entgegen, in luftiger Höhe streichen drei junge Männer das Balkenwerk des alten Güterhallendachs beim Begegnungsbahnhof Hasel. Zeitgleich geht es an der zweiten "Baustelle" bodenständig zu, liegend legt hier Religionslehrererin Anja Kirschenlohe letzte Hand an die künstlerische Gestaltung der Telefon-Nasszelle im Außenbereich des Jugend- und Freizeitheims im ehemaligen Hasler Bahnhof.

Es ist Freitag, der letzte Tag des einwöchigen internationalen Jugendbaucamps. Seit 20 Jahren kommen jungen Leute in ihren Sommerferien zum Arbeiten hierher. Momentan sind noch zwei Russinnen, ein Türke, ein Pfälzer und drei junge Leute aus Baden-Württemberg da, zwei sind bereits weiter gezogen.


Alljährliche Schönheitskur: Malerarbeiten in luftiger Höhe unterm Dach der Güterhalle. Foto: Silke Hartenstein

In diesem Jahr wird die Frontseite der ehemaligen Bahnhofsgüterhalle verschönert. Wenn sie fertig ist, wird sie bestens zum einladenden Hauptgebäude passen. Dass sich der Begegnungsbahnhof im Laufe seines 25-jährigen Bestehens zu einem Schmuckstück verwandelt hat, ist im hohen Maße den jungen Leuten zu verdanken, die hier Jahr um Jahr jeweils eine Woche lang unentgeltlich arbeiten.

Das Baucamp ist eine gemeinsame Veranstaltung der evangelischen Kirchengemeinde Rheinfelden mit dem internationalen Bauorden mit Sitz in Ludwigshafen. Ziel des Bauordens ist es, junge Menschen aus allen Ländern Europas zusammen zu bringen.

Irina:"Es ist eine schöne Lebenserfahrung"

Unterkunft und Verpflegung im Bahnhof sind für die jungen Bauhelfer gratis, im Gegenzug stellen sie ihre Arbeitskraft zur Verfügung. Die Woche zuvor halfen sie bei der Sanierung des Werner-Mennicke-Hauses auf dem Rührberg. Dieses Jahr wird hier Deutsch gesprochen, die beiden jungen Frauen aus Russland beherrschen die Sprache sehr gut. Für Irina, die seit Anfang Juli in Deutschland ist, ist der Hasler Begegnungsbahnhof ihre vierte Baucampstation in Folge. Als nächstes geht sie nach Aachen zu einem Weltladenprojekt, danach zurück zum Studium in die Heimat. Ihr gefallen an den Baucamps die abwechselnden Aktivitäten, ihr Motiv zum Mitmachen: "Es ist eine schöne Lebenserfahrung." Auch im nächsten Jahr möchte sie wieder mit dabei sein.


Die hübscheste Dusche weit und breit bekommt einen Anstrich. Foto: Silke Hartenstein


Die beiden Russinnen fanden übers Internet den Kontakt zum Bauorden, erklärt Baucampleiter Diakon Friedrich Schmidt aus Schopfheim. Immer im Januar, so Schmidt, würden die europaweit anstehenden Bauvorhaben bei der Projektbörse des Bauordens vorgestellt. Dann könnten sich junge Leute aus ganz Europa aussuchen, wo sie was gern tun wollen. Im Falle der beiden Russinnen wurde die Hälfte ihrer Fahrtkosten nach Deutschland vom Bauorden finanziert. Schmidt mag das Zusammensein und -arbeiten mit den jungen Menschen und das Gemeinschaftsgefühl, das hier entsteht. Freundschaften und auch Ehen seien hier schon entstanden. "Morgen kommt ein deutsch-holländisches Paar mit seinen Kindern. Sie haben sich beim Baucamp in Hasel kennen gelernt, verbringen hier jedes Jahr eine Ferienwoche und legen auch mit Hand an". 35 Menschen aus sieben Nationen hätten hier schon mit gearbeitet, etliche kämen wieder. Natürlich wird nicht nur gearbeitet: Bei Ausflügen an Bodensee und Rheinfall, beim Baden im Rhein, dem Besuch der Gersbacher Barockschanze und der großen Abschluss-Grillparty kommen der Spaß und das Kennenlernen der Gegend nicht zu kurz.

Sein 25-jähriges Bestehen feiert der Begegnungsbahnhof Hasel am Sonntag, 12. September, beim Tag der offenen Tür, mit Gottesdienst, Führungen, Bewirtung und Jazz aus Efringen.

Silke Hartenstein in der Badischen Zeitung vom 06.09.2010.

Welthaus: Barrierefreiheit liegt in fleißigen Händen

Aachen. Krachend fallen die Fliesen zu Boden. Eine nach der anderen. Bis sich zu Alina Ruas Füßen ein kleiner Schutthaufen gebildet hat. Fliesenschutt. Rua steht in einem kleinen rechteckigen Raum im Aachener Welthaus an der Schanz. Es ist die Toilette. Oder besser: Sie war es.

Denn von einem WC ist hier nicht mehr viel übrig. Innerhalb kürzester Zeit haben Rua und zwei andere Studenten einen Großteil der Wandverkleidung mit großem Gerät abgerissen. Hier soll alles neu gemacht werden. Neu und behindertengerecht.

Seit Dienstagmorgen läuft das Projekt «Barrierefreies Welthaus». Der Aachener Nachbarschaftsring Öcher Frönnde, der seit einigen Jahren Mieter und Nutzer des Cafés im Welthaus ist, hatte diese Initiative angestoßen. «Eigentlich gibt es den Plan, dem Haus einen behindertengerechten Zugang zu verschaffen, seit es das Welthaus gibt», erzählt Monika Lang, Vorsitzende der Öcher Frönnde und Projektleiterin. «Aber seitdem immer mehr und regelmäßiger Besucher kommen, die Schwierigkeiten haben, ins Haus zu kommen, wurde die Sache konkreter.»

Richtig konkret wurde sie dann vor etwa einem halben Jahr. Da stellten die Frönnde einen Antrag bei der Stadt Aachen auf Finanzierung der Umbauarbeiten. Denn die ist Eigentümer des Welthauses, das von den darin ansässigen Initiativen - 23 verschiedene aus der Umwelt- und Entwicklungspolitik - gemietet wird. Doch die Stadt lehnte ab, mit der Begründung, dass dort derzeit bereits teure Maßnahmen zum Brandschutz durchgeführt würden.



Gemeinsam packen sie für das Welthaus an: Birgitta Hollmann (3. v. l.), Willy Schöder (oben), Architekt Dr. Veit Becker (2. v. r.), Monika Lang, Vorsitzende der Öcher Frönnde (4. v. l.) und sieben Studenten aus verschiedenen Nationen. Foto: Harald Krömer


Also mussten Lang und ihre Mitstreiter sich etwas einfallen lassen. Die Idee: Ein Baucamp vom Internationalen Bauorden zu organisieren. Die Initiative hilft weltweit gemeinnützigen Einrichtungen und sozial Schwachen bei Bau- und Reparaturarbeiten. Sie schickt junge Menschen zwei bis vier Wochen lang dorthin, wo Hilfe nötig ist, aber das Geld fehlt. So ist auch Alina Rua zu ihrem Job gekommen, derzeit als Fliesenentfernerin.

Die 21-Jährige studiert an der RWTH Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Bauwesen. In ihrem Studium sind mindestens vier Wochen Praktikum auf einer Baustelle vorgesehen. Da bot sich das Baucamp am Welthaus an. Gemeinsam mit sechs anderen Architektur- und Bauingenieur-Studenten aus unterschiedlichen Nationen packt sie seit Montagmorgen kräftig mit an. Zwei Wochen lang, dann sollen die Arbeit abgeschlossen sein.

Von Martina Rippholz, Aachener Nachrichten vom 06.09.2010

Samstag, 4. September 2010

Mazedonische Herzlichkeit und ein schwerer Abschied

Mein Baucamp in Kratovo

Direkt im Anschluss an das Baucamp in Biancavilla reiste ich nach Mazedonien, um dort an einem weiteren Baucamp teilzunehmen. Am Flughafen in Skopje nahm mich bereits ein Teilnehmer in Empfang, um dann mit mir gemeinsam zum Busbahnhof zu fahren. Dort wartete eine weitere Teilnehmerin und wir fuhren dann zu dritt mit dem Bus nach Kratovo. Die Busfahrt an sich war schon aufregend, zumal wir vorgewarnt wurden selbst bei der größten Hitze die Fenster nicht zu öffnen. Auch wussten wir nicht genau, wie lange wir fahren werden und ob wir an der richtigen Haltestelle aussteigen würden.

Alles war gut, als uns Paul, der Projektverantwortliche abholte und uns zu unseren Gastfamilien brachte. Am Abend trafen wir uns alle mit den Gastfamilien in einer Bar zum Willkommensessen, wo wir auch endlich die anderen Teilnehmer, die mit Bus und Bahn angereist waren, trafen. Man verstand sich auf Anhieb und freute sich schon im Vorfeld auf das, was da kommen mag.

Am nächsten Morgen trafen wir uns alle auf dem Pausenhof der Mittelschule. Viele waren verwundert, da wir doch ein anderes Projekt im Kopf hatten. Das Schulhofprojekt sollte eigentlich von belgischen Freiwilligen durchgeführt werden. Da diese jedoch nicht kommen konnten und es dringlicher war, bis zum Schuljahresbeginn diesen Platz zu erneuern, übernahmen wir gern diese neue und ebenso wichtige Aufgabe. Das Projekt beinhaltete nicht nur den Schulhof neu zu betonieren und das Fuß- und Basketball-Spielfeld auf Vordermann zu bringen, sondern auch auf dem Gelände des Kindergartens im unteren Teil der Stadt einen Spielplatz neu herzurichten. So teilte sich die Gruppe auf und erledigte die Arbeit parallel an zwei Standorten. Dabei stand jedem frei zu tun, was er möchte und sich auch zutraut – so fand sich schnell für jeden eine Aufgabe.




Wir arbeiteten täglich in zwei Etappen, einmal am Vormittag und dann nochmal am späten Nachmittag. Aufgrund der großen Hitze war es oft schwierig am Vormittag zu arbeiten, so dass wir an einigen Tagen beschlossen, nicht erst 9 Uhr, sondern bereits um 8 Uhr oder noch eher zu beginnen. In Abstimmung mit den Facharbeitern auf der Baustelle hat das auch gut funktioniert. Diese waren schon ab 7 Uhr da, bereiteten die Betonierarbeiten vor, so dass wir gleich starten konnten. Für fast alle war das Beton mischen eine neue Erfahrung, die aber riesen Spaß machte und ebenso eine Herausforderung darstellte, den perfekten Beton zu mischen.

Die Arbeit war dennoch anstrengend, so dass wir uns mit dem Schleppen der Zementsäcke, dem Wasser holen, an der Mischmaschine und beim Wegfahren der vollen Schubkarren abwechselten. Schon nach kurzer Zeit waren wir ein perfekt eingespieltes Team. Die Arbeiter vor Ort waren anfangs etwas skeptisch, dass die Frauen sogenannte „Männerarbeit“ verrichteten, aber sie merkten doch schnell, dass wir genauso gut darin waren und es gerne machten. Die Arbeit ging gut voran, auch wenn wir es leider nicht geschafft haben alles komplett zu betonieren, da dies sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, was ich mir nie hätte vorstellen können. Aber eine große Freude war es, die Arbeiten auf dem Spielplatz beenden zu können und diesen am vorletzten Tag feierlich mit Spielen, Essen und Trinken und vielen glücklichen Kindern zu eröffnen – das war ein feierlicher Abschluss unserer Arbeit.



Unsere freie Zeit begann täglich mit einem wundervollen Mittagessen, was wir jeweils in unseren Gastfamilien einnahmen. Es war immer reichlich, vielfältig und landestypisch – wir ließen uns jeden Tag neu überraschen und probierten alles aus. Auch wenn man Vegetarier war, hatte man immer eine große Auswahl. Nach dem Mittagessen hatten wir noch viel Zeit um uns zu entspannen. Diese Zeit nutzten wir fast täglich gemeinsam im örtlichen Freibad, im oberen Teil der Stadt gelegen und umrahmt von einem fantastischen Bergpanorama. Unser Abendessen nahmen wir ebenso in unseren Gastfamilien ein und es blieb oft Zeit für Gespräche mit der Gastfamilie, das Erlernen einiger mazedonischer Vokabeln, zum gemeinsamen Singen und Musizieren. Später trafen wir uns dann alle in der Stadt um uns von Paul und unseren Gastgeschwistern die Kneipenszene der Stadt zeigen zu lassen.

Dabei haben wir unsere Lieblingsbar „Talisman“ gefunden, die noch recht neu ist und von einem jungen Pärchen betrieben wird. Dementsprechend haben wir dort viele junge, aufgeschlossene Menschen getroffen, die uns sehr schnell ans Herz gewachsen sind. Auch sie haben uns an einigen Tagen auf der Baustelle geholfen und mit uns die nachmittägliche Freizeit verbracht. Weitere Höhepunkte waren der Ausflug auf einen Berg mit einer beeindruckenden Panoramasicht auf Kratovo am Abend, der Besuch des Marktes am Samstag, ein Ausflug zu den Stonedolls, einem Naturwahrzeichen in der Nähe von Kratovo und die Abende, als Paul im Talisman und bei sich zuhause einen Live-Musik-Abend veranstaltete - von seinen Gitarren- und Gesangskünsten war offensichtlich jeder beeindruckt.



Alles in Allem muss man einfach sagen, dass das Camp das Beste war, wenn ich meine bisherigen Camps rückblickend betrachte. Es hat einfach alles gut zusammengepasst und ich habe nicht einen Moment lang gezweifelt, nach meinem ersten Camp direkt noch ein zweites zu machen, auch wenn das 4 Wochen Arbeit am Stück bedeutet hat – ich hätte definitiv eine sehr schöne Erfahrung mit den anderen nicht teilen können. Der Abschied von den Gastfamilien und den Menschen im Ort, die man kennenlernen durfte, war daher nicht einfach und es flossen ein paar Tränen. Auch Paul, Jessica und Jordanka, die Verantwortlichen vor Ort, haben uns nochmals herzlich für unsere Arbeit gedankt und schätzen sehr, dass wir für 2 Wochen unsere Zeit und Arbeitskraft geopfert haben. Wenn man geht und in dankbare und zufriedene Gesichter blickt, ist das allein schon genügend Motivation um weiterzumachen!



Susann Thiele, 02.September 2010