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Montag, 30. November 2009

Baucamp im Gutshaus Hermannshagen: Äpfel, Schafe, Lehm und Stroh im Norden Deutschlands

Olga Mischenko aus Perm kam zu einem Freiwilligendienst zum Inter-nationalen Bauorden. Nach ihrer Rückkehr verfasste sie diesen Beitrag.

Hinreise

Ende Juli habe ich mich in den Zug nach Moskau gesetzt. Von da aus ging es mit dem Bus nach Berlin. Fast zwei Tage im Sitzen, über die Straßen des Baltikums holpernd (ein ungerechtfertigter Umweg in die Hauptstadt Deutschlands, dafür aber eine ziemlich billige Lösung). Diese Heldentat habe ich zum zweiten und, wie ich mir selbst geschworen habe, zum letzten Mal vollbracht, denn die Busfahrt hat mich doch ziemlich erschöpft.

Vor und nach dem Freiwilligenlager war ich ein paar Tage in Berlin. Hier habe ich bei Verwandten gewohnt. Dadurch, dass ich mich mit ihnen und ihrem Bekanntenkreis austauschte, tauchte ich in das Leben der Berliner Russland-deutschen ein. Die sprechen haupt-sächlich russisch und haben vor allem Kontakt mit anderen Russen. Und obwohl ich mir alle Sehenswürdigkeiten der deutschen Hauptstadt angeschaut habe, habe ich es trotzdem nicht ganz geschafft, zu realisieren, dass ich mich in Deutschland befinde – aus den schon beschriebenen Gründen: durch den Austausch mit Russlanddeutschen. Umso abrupter war das Eintauchen in das sprachliche Umfeld des Freiwilligenlagers, wo alle um mich herum ausschließlich Deutsch sprachen.



Auf dem Baucamp: ein Schaf schlachten mit Kuchenpausen
und nicht nur das ...

Das Baucamp befand sich in Mecklenburg-Vorpommern, im Dörfchen Hermannshagen. Wir haben am Gutshaus gearbeitet, das unter Denkmalschutz steht; deshalb wird es nicht abgerissen, sondern es werden regelmäßige Renovierungsarbeiten durchgeführt. Die Arbeiten hätte nicht unterschiedlicher sein können: Lehm für das Verputzen der Decke zusammen rühren, einen Anbau abreißen, das Dach ausbessern, Kabel unter dem Straßenpflaster verlegen und sogar ein Schaf ausweiden. Trotzdem muss ich sagen, dass der Arbeitstag nicht besonders anstrengend war: Wir haben Kaffeepausen gemacht, leckeren Kuchen gegessen und abends verschiedene Spiele gespielt, unter anderem mit Zirkusrequisiten (Ich habe fast gelernt, mit drei Bällen zu jonglieren!).



Am Wochenende hatten wir Freizeit, und wir haben einen tollen Ausflug nach Kühlungsborn an die Ostsee gemacht. Wir sind abends angekommen und haben am Meerufer in Schlafsäcken übernachtet. Das war unvergesslich! Der einzige Nachteil waren die vielen Sachen, die wir mit uns herumschleppen mussten. Das Schwerste davon war das Zelt, das wir dann doch nicht aufgebaut haben, weil es noch nicht besonders kalt war.



Außerdem gab es im Lager Feier uns zu Ehren. Wir hatten eine tolle Party, haben unter freiem Himmel getanzt, uns Feuer- und Zirkusshow angesehen. Ich bin sehr mit der Teilnahme an diesem Baucamp zufrieden. Ich habe vieles herausgeholt: neue Begegnungen, neue Orte, interessante Bekanntschaften und natürlich vor allem Eindrücke, Eindrücke und noch mehr Eindrücke.

Freitag, 24. August 2007

Arbeiten, Urlaub machen und Freunde treffen

HERMANNSHAGEN - Am 13. August ist das Projekt Sommerbaustelle gestartet. Bis zum 26. August werkeln etwa 60 Jugendliche unter Anleitung von Profis am alten Gutshaus in Hermannshagen. Neben Baulustigen aus ganz Deutschland sind auch fünf Polen, eine Österreicherin und eine Tschechin mit dabei. Alle Sieben stammen vom Internationalen Bauorden. "Das ist eine Organisation, die europaweit auf freiwilliger Basis Baustellen organisiert", sagt Ulrike Gisbier vom Verein Gutshaus Hermannshagen.
Gutshaus Hermannshagen, erbaut 1769
Alle könnten gut Deutsch, und zur Not gehe es ja auch auf Englisch, so Gisbier "Momentan sind 35 Leute hier. Der Rest wird in den kommenden Tagen eintreffen." Gearbeitet w
erde von 9 bis 17 Uhr. "Einige werkeln auch noch länger. Bei den unter 18-Jährigen achten wir darauf, dass sie die Zeiten einhalten", betont die Vereinschefin. Neben der Arbeit am Gutshaus können die Jugendlichen aber auch Volleyball spielen oder am Lagerfeuer neue Kontakte knüpfen.

Die Gründe, sich an der Aktion Sommerbaustelle zu beteiligen, sind unterschiedlich. "Ich mache mit, weil ich hier jemanden kenne und schon immer mal herkommen wollte", erzählt eine der Freiwilligen. "Es ist eine schöne Kombination aus Urlaub und Arbeit." Ähnlich sieht es Petra Queseleit, die zum zweiten Mal dabei ist. "Ich habe gerade Urlaub und möchte mit anpacken", sagt die Rostockerin.
Deckenboden aus Lehmwickeln

Auch die Faszination am alten Handwerk zieht viele nach Hermannshagen. "Ich bin zum ersten Mal dabei und finde diese Techniken sehr interessant", schwärmt Lukas Hellmund aus Hermannshagen. "In den Ferien zu arbeiten, finde ich nicht schlimm. Ich hab ja sonst nichts zu tun", sagt er und lacht. Albrecht Deisenhofer aus Kulmbach stimmt ihm zu. "Am besten gefällt mir, dass ich hier alles selbst machen kann. Das ist viel spannender, als nur ein Buch darüber zu lesen. Außerdem lernt man hier viele neue Leute kennen", sagt er.

Derzeit wird an drei Teilbaustellen gearbeitet. "Die Dachbaustelle steckt noch in der Vorbereitung. Außerdem fachen wir Giebelwände aus und fertigen Lehmwickel für Deckenböden", zählt Ulrike Gisbier auf.
Für September suche der Verein Gutshaus Hermannshagen noch zwei Langzeitfreiwillige.


14.08. 2007, Annekatrin Queißer für die Schweriner Volkszeitung

Weitere Bilder aus Hermannshagen gibt es hier.