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Donnerstag, 9. September 2010

Baucamp hat ungebrochen Zugkraft

Seit nunmehr 20 Jahren legen junge Leute aus verschiedensten Ländern im Sommer Hand an den Begegnungsbahnhof Hasel.

HASEL. Technomusik schallt dem Besucher entgegen, in luftiger Höhe streichen drei junge Männer das Balkenwerk des alten Güterhallendachs beim Begegnungsbahnhof Hasel. Zeitgleich geht es an der zweiten "Baustelle" bodenständig zu, liegend legt hier Religionslehrererin Anja Kirschenlohe letzte Hand an die künstlerische Gestaltung der Telefon-Nasszelle im Außenbereich des Jugend- und Freizeitheims im ehemaligen Hasler Bahnhof.

Es ist Freitag, der letzte Tag des einwöchigen internationalen Jugendbaucamps. Seit 20 Jahren kommen jungen Leute in ihren Sommerferien zum Arbeiten hierher. Momentan sind noch zwei Russinnen, ein Türke, ein Pfälzer und drei junge Leute aus Baden-Württemberg da, zwei sind bereits weiter gezogen.


Alljährliche Schönheitskur: Malerarbeiten in luftiger Höhe unterm Dach der Güterhalle. Foto: Silke Hartenstein

In diesem Jahr wird die Frontseite der ehemaligen Bahnhofsgüterhalle verschönert. Wenn sie fertig ist, wird sie bestens zum einladenden Hauptgebäude passen. Dass sich der Begegnungsbahnhof im Laufe seines 25-jährigen Bestehens zu einem Schmuckstück verwandelt hat, ist im hohen Maße den jungen Leuten zu verdanken, die hier Jahr um Jahr jeweils eine Woche lang unentgeltlich arbeiten.

Das Baucamp ist eine gemeinsame Veranstaltung der evangelischen Kirchengemeinde Rheinfelden mit dem internationalen Bauorden mit Sitz in Ludwigshafen. Ziel des Bauordens ist es, junge Menschen aus allen Ländern Europas zusammen zu bringen.

Irina:"Es ist eine schöne Lebenserfahrung"

Unterkunft und Verpflegung im Bahnhof sind für die jungen Bauhelfer gratis, im Gegenzug stellen sie ihre Arbeitskraft zur Verfügung. Die Woche zuvor halfen sie bei der Sanierung des Werner-Mennicke-Hauses auf dem Rührberg. Dieses Jahr wird hier Deutsch gesprochen, die beiden jungen Frauen aus Russland beherrschen die Sprache sehr gut. Für Irina, die seit Anfang Juli in Deutschland ist, ist der Hasler Begegnungsbahnhof ihre vierte Baucampstation in Folge. Als nächstes geht sie nach Aachen zu einem Weltladenprojekt, danach zurück zum Studium in die Heimat. Ihr gefallen an den Baucamps die abwechselnden Aktivitäten, ihr Motiv zum Mitmachen: "Es ist eine schöne Lebenserfahrung." Auch im nächsten Jahr möchte sie wieder mit dabei sein.


Die hübscheste Dusche weit und breit bekommt einen Anstrich. Foto: Silke Hartenstein


Die beiden Russinnen fanden übers Internet den Kontakt zum Bauorden, erklärt Baucampleiter Diakon Friedrich Schmidt aus Schopfheim. Immer im Januar, so Schmidt, würden die europaweit anstehenden Bauvorhaben bei der Projektbörse des Bauordens vorgestellt. Dann könnten sich junge Leute aus ganz Europa aussuchen, wo sie was gern tun wollen. Im Falle der beiden Russinnen wurde die Hälfte ihrer Fahrtkosten nach Deutschland vom Bauorden finanziert. Schmidt mag das Zusammensein und -arbeiten mit den jungen Menschen und das Gemeinschaftsgefühl, das hier entsteht. Freundschaften und auch Ehen seien hier schon entstanden. "Morgen kommt ein deutsch-holländisches Paar mit seinen Kindern. Sie haben sich beim Baucamp in Hasel kennen gelernt, verbringen hier jedes Jahr eine Ferienwoche und legen auch mit Hand an". 35 Menschen aus sieben Nationen hätten hier schon mit gearbeitet, etliche kämen wieder. Natürlich wird nicht nur gearbeitet: Bei Ausflügen an Bodensee und Rheinfall, beim Baden im Rhein, dem Besuch der Gersbacher Barockschanze und der großen Abschluss-Grillparty kommen der Spaß und das Kennenlernen der Gegend nicht zu kurz.

Sein 25-jähriges Bestehen feiert der Begegnungsbahnhof Hasel am Sonntag, 12. September, beim Tag der offenen Tür, mit Gottesdienst, Führungen, Bewirtung und Jazz aus Efringen.

Silke Hartenstein in der Badischen Zeitung vom 06.09.2010.

Welthaus: Barrierefreiheit liegt in fleißigen Händen

Aachen. Krachend fallen die Fliesen zu Boden. Eine nach der anderen. Bis sich zu Alina Ruas Füßen ein kleiner Schutthaufen gebildet hat. Fliesenschutt. Rua steht in einem kleinen rechteckigen Raum im Aachener Welthaus an der Schanz. Es ist die Toilette. Oder besser: Sie war es.

Denn von einem WC ist hier nicht mehr viel übrig. Innerhalb kürzester Zeit haben Rua und zwei andere Studenten einen Großteil der Wandverkleidung mit großem Gerät abgerissen. Hier soll alles neu gemacht werden. Neu und behindertengerecht.

Seit Dienstagmorgen läuft das Projekt «Barrierefreies Welthaus». Der Aachener Nachbarschaftsring Öcher Frönnde, der seit einigen Jahren Mieter und Nutzer des Cafés im Welthaus ist, hatte diese Initiative angestoßen. «Eigentlich gibt es den Plan, dem Haus einen behindertengerechten Zugang zu verschaffen, seit es das Welthaus gibt», erzählt Monika Lang, Vorsitzende der Öcher Frönnde und Projektleiterin. «Aber seitdem immer mehr und regelmäßiger Besucher kommen, die Schwierigkeiten haben, ins Haus zu kommen, wurde die Sache konkreter.»

Richtig konkret wurde sie dann vor etwa einem halben Jahr. Da stellten die Frönnde einen Antrag bei der Stadt Aachen auf Finanzierung der Umbauarbeiten. Denn die ist Eigentümer des Welthauses, das von den darin ansässigen Initiativen - 23 verschiedene aus der Umwelt- und Entwicklungspolitik - gemietet wird. Doch die Stadt lehnte ab, mit der Begründung, dass dort derzeit bereits teure Maßnahmen zum Brandschutz durchgeführt würden.



Gemeinsam packen sie für das Welthaus an: Birgitta Hollmann (3. v. l.), Willy Schöder (oben), Architekt Dr. Veit Becker (2. v. r.), Monika Lang, Vorsitzende der Öcher Frönnde (4. v. l.) und sieben Studenten aus verschiedenen Nationen. Foto: Harald Krömer


Also mussten Lang und ihre Mitstreiter sich etwas einfallen lassen. Die Idee: Ein Baucamp vom Internationalen Bauorden zu organisieren. Die Initiative hilft weltweit gemeinnützigen Einrichtungen und sozial Schwachen bei Bau- und Reparaturarbeiten. Sie schickt junge Menschen zwei bis vier Wochen lang dorthin, wo Hilfe nötig ist, aber das Geld fehlt. So ist auch Alina Rua zu ihrem Job gekommen, derzeit als Fliesenentfernerin.

Die 21-Jährige studiert an der RWTH Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Bauwesen. In ihrem Studium sind mindestens vier Wochen Praktikum auf einer Baustelle vorgesehen. Da bot sich das Baucamp am Welthaus an. Gemeinsam mit sechs anderen Architektur- und Bauingenieur-Studenten aus unterschiedlichen Nationen packt sie seit Montagmorgen kräftig mit an. Zwei Wochen lang, dann sollen die Arbeit abgeschlossen sein.

Von Martina Rippholz, Aachener Nachrichten vom 06.09.2010

Mittwoch, 1. September 2010

Besuch in Höxter

Rieke, ehemalige Praktikantin beim Bauorden, berichtet über ihren Besuch beim Baucamp in Höxter:

Mein erster Besuch eines Baucamps in Deutschland ging am 18.8. ins koptische Kloster nach Höxter-Brenkhausen.

Mit dem Auto fuhren wir vom Rathaus Höxter über Felder nach Brenkhausen. Hier soll der Sitz des koptischen Bischofs in Deutschland sein?! Einmal quer durch den Ort Brenkhausen gefahren kamen wir zu einem Kloster. Fast unglaublich, aber wahr! Da steht ein großes Kloster!




"Wie lange bleibst du?"
"Nur bis 16 Uhr.
"Ach schade. Heute Abend backe ich einen Kuchen für alle Freiwilligen."

Die koptisch-deutsch-österreichisch-italienisch-ukrainische Gruppe freiwilliger Handwerker wuselt über die Baustelle. Die Wände sind lehmig und mit Stroh vom Bauern isoliert. Das ist so gedacht. Denn so wurde das traditionell gemacht. Seit drei Tagen werden auf diese Weise im Baucamp die Wände verputzt. Was kann man sonst noch aus Lehm machen? Lehm-Backsteine. Oder wie heisst das in Handwerkersprache?





Stephanie und Angelo bei der Arbeit

15h. Grosse Freude allerseits: es gibt Kaffee und Hörnchen. "You want sugar and milk with your coffee?" "Yes please!" Wie sich die Gruppe untereinander versteht? Ob auf deutsch, englisch oder durch Gestik... Wer sich gegenseitig den Zuckertopf hinhält während der andere in zwei Kaffeetassen Zucker und Milch füllt,…ich würde sagen: sehr gut. :-)

Nach wenigen Stunden geht es wieder zurück… aus der Idylle in die Grossstadt. Jetzt schon? Ja. Leider verpasse ich den Kuchen am Abend.


Stephanie verputzt die Wände mit Lehm.


Dima, Mohan und Angelo


Die katholische Kirche St. Baptiste

Jugendliche sanieren Kirche

Lichtenberg (moz) Der angehende Architekturstudent Patrick Ernst kniet stolz in der Kirchenruine von Lichtenberg. Seine Blicke wandern immer wieder über eine Schwelle, die er nach einer kurzen Anleitung von Bauingenieur Eberhard Wolf in Eigenregie am Vormittag gebaut hatte. Er ist einer von acht jungen Leuten, die gerade für zwei Wochen bei der Restauration der Lichtenberger Kirche mithelfen.



Beweist viel Geschick: Der aus Dresden stammende Patrick Ernst mauert eine Schwelle im Innenraum der Kirchenruine.

Zusammengeführt hat die 18- bis 24-jährigen Frauen und Männer aus Deutschland und Osteuropa der internationale Bauorden. Seit über 50 Jahren organisiert der katholisch geprägte Orden Jugendbegegnungen, Friedensdienste und Hilfsprojekte in Europa. Die Kosten für Verpflegung und Unterkunft werden größtenteils von Spendern getragen. Die Jugendlichen helfen unentgeltlich. Über 350 000 Schüler, Auszubildende, Studenten, Handwerker und Angestellte haben an den europaweiten Hilfsprojekten, den sogenannten Baucamps, bereits teilgenommen.

„Das Gute ist“, erzählt Katharina Falkenhagen, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde in Frankfurt „dass man keine handwerklichen Vorkenntnisse haben muss. Es werden Arbeiten verrichtet, bei denen man nicht zwingend Fachkenntnisse benötigt oder den Denkmalschutz fragen muss.“ Die Jugendlichen leisten je nach Können ihren ganz eigenen praktischen Beitrag zur weiteren Sanierung der Lichtenberger Kirche, die im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde. Als Pluspunkt können sich Studenten ihre Arbeit in den Baucamps als Praktikum anrechnen lassen.

Auch Inga Böttinger aus Hamburg hilft bei den Restaurationsarbeiten im Innenraum des Gotteshauses. Ihr Mutter hatte sie auf den Bauorden aufmerksam gemacht. Und da die 18-Jährige im Oktober mit dem Studium „Bauen im Bestand“ beginnen wird, welches sich inhaltlich mit älteren Gebäuden beschäftigt, schien das Kirchenprojekt in Lichtenberg wie gerufen. Gemeinsam mit Andrej Isaak aus Luckenwalde und Ronja Marwedel aus Dresden trägt Inga Böttinger poröses Mauerwerk im Inneren der Kirche ab.

Am kommenden Sonntag geht es für die Jugendlichen wieder zurück in ihre Heimatstädte.

Tina Zimmermann für die Märkische Oderzeitung vom 31.08.2010.

Freitag, 20. August 2010

Internationales Baucamp: Arbeits-Urlaub

Internationales Baucamp in der alten Dreherei mit  Solveig Ufer und Tatiana Vorozheykina aus Sapansk in Russland.                      Foto: Roy Glisson

Internationales Baucamp in der alten Dreherei mit Solveig Ufer und Tatiana Vorozheykina aus Sapansk in Russland. Foto: Roy Glisson

„Junge Leute schuften für einen guten Zweck“ – ein Werbefachmann würde es wohl positiver formulieren. Dennoch trifft dieser Satz auf der Internetseite des „Internationalen Bauordens“ genau den Kern.

Aktuell schuften fünf deutsche und drei russische Jugendliche im Rahmen eines Internationalen Baucamps in der Jugendstilhalle, die das Haus der Vereine werden soll. Und sie schlafen auch dort.

Tritt man durch das Tor der Alten Dreherei, fällt der erste Blick auf die riesige Holzkonstruktion in der Mitte direkt unter dem hölzernen Dachständerwerk, das zwar teils verfault, aber einzigartig im Land ist. In mehreren Metern Höhe arbeiten dort Günter Scharren und seine zwei Helfer, Radik Kahliulin und Roman Kazakov. Mit dem Akkuschrauber hantieren die beiden Russen und nehmen den oberen Aufbau des Gerüsts wieder auseinander. „Wir wollen die Basiskonstruktion ein Stück nach hinten schieben“, erklärt Günter Scharren. Denn die vorderen Holzbalken wurden, wenn nötig, bereits ausgetauscht und gestrichen. Jetzt will man sich nach hinten durcharbeiten so gut es geht und die Zeit nutzen, so lange man tatkräftige Helfer hat. Auch wenn man sich mit Händen und Füßen verständigen muss, Scharren merkt: „Die Jungs wollen arbeiten.“

Wollen sie, aber vor allem möchten die beiden Russen Land und Leute kennen lernen. „Für uns ist es sehr schwer, aus unserem Land rauszukommen“, sagt der 20-jährige Roman. Freiwillige Arbeit sei eine Möglichkeit und da verbringt er, der eigentlich Ökonomie studiert, seinen Urlaub auch gerne mal mit Arbeiten. Dass „Schubkarre“ und „Sand“ zwei der wenigen deutschen Worte sind, die sie nun kennen, wundert da nicht. Dennoch sind beide begeistert: „Wir sind eineinhalb Monate in Deutschland unterwegs und alle zwei Wochen woanders. Da sieht man viel.“ Und der Job in Mülheim sei vergleichsweise halb so wild.

Sandra Ischner und Angela Hähne hingegen sind fürs weniger Grobe zuständig. Aktuell stehen sie im zukünftigen Badezimmer, das nur durch die gefliesten Wände als Sanitärraum erkennbar ist. Mit Kelle und Mörtel verputzen sie in die Wände geschlagene Löcher und bereiten sich so aufs Studium vor. Immobilientechnik will die Stuttgarterin Sandra ab Oktober studieren: „Und das Camp kann ich mir als Praktikum anrechnen lassen.“ Ebenso macht es Angela aus Hamburg, nur dass sie Bauingenieurin werden möchte. „Abwechslungsreich“ nennen sie ihre Aufgaben in der Alten Dreherei und deshalb „völlig in Ordnung“.

Acht Stunden am Tag sind die Jugendlichen unter Anleitung der Mülheimer im Einsatz – und fast durchgehend in der Jugendstilhalle: Übernachtet wird dort auf Feldbetten im Zelt, gegessen wird an einer Biertischgarnitur, die warme Verpflegung übernehmen die Frauen im Trägerverein. Natürlich, räumt die 19-jährige Sandra ein, gäbe es Schöneres, als im Zelt zu schlafen, aber wie alle anderen hat auch sie sich damit arrangiert: „Wir sind ja zum Arbeiten hier.“ Und am Wochenende organisiert die MST für sie eine Stadttour. Als Ausgleich zum Schuften für den guten Zweck.

Der Westen am 18.08.2010

Helfende Hände aus vier Ländern

Acht Frauen und Männer helfen bei der Restaurierung im koptischen Kloster
VON JULIA RENNER


Der Ukrainer Dima Pritulenko (l.) und der Italiener Angelo Marino Albonico kümmern sich gemeinsam um die Vorbereitung für das Verputzen der Wände. Gesprochen wird Englisch.
Zusammenarbeit über Sprachgrenzen hinweg | FOTO: JULIA RENNER



Höxter-Brenkhausen. Vor 17 Jahren sind die Kopten in das Kloster in Brenkhausen eingezogen und seitdem restaurieren sie den Nordflügel des historischen Gebäudes. Nun haben sie Unterstützung bekommen. Acht Frauen und Männer aus Deutschland, Italien, Österreich und der Ukraine packen mit an - und das freiwillig.

Staubig und karg wirkt die Langzeit-Baustelle im Nordflügel des Klosters. "Das alles ist eine sehr mühsame Tätigkeit und es dauert sehr lange", sagt Bischof Anba Damian. Der Flügel wird aufwändig restauriert. "Als wir kamen, sah hier alles aus wie eine Ruine", erinnert sich der Bischof. Deshalb haben die Kopten mit der Restaurierung angefangen.

Finanziert werden die Arbeiten hauptsächlich durch Spenden. Ausgeführt werden sie vor allem von koptischen Handwerkern, die ehrenamtlich anpacken. Seit gestern arbeiten nun acht weitere Helfer auf der Baustelle. Bis zum 28. August werden sie mithelfen, das Kloster in seinen ursprünglichen Zustand zu bringen.
Eine von ihnen ist Anna-Katharina Dederich. Die 25-Jährige aus Korschenbroich bei Mönchengladbach wird ab Oktober Bauingenieurwesen studieren und will sich durch die Arbeit im Kloster darauf vorbereiten. "Vor dem Studium muss ich ein Praktikum machen. Und die Arbeit im Kloster ist reizvoller, als in einer Baufirma."

Während sich Dederich auf ihr Berufsleben vorbereitet, ist Friederike George bereits aus ihrem Job ausgeschieden. Die 60-Jährige ist im Vorruhestand. "Aber ich bin keine, die gerne am Strand liegt", sagt die frühere Bibliothekarin aus Freising in Bayern. Sie wollte etwas sinnvolles tun. Jetzt verputzt sie im Kloster die Wände mit Lehm. Für die Rentnerin bedeutet das vor allem Spaß. Den haben auch Angelo Marino Albonico aus Italien und Dima Pritulenko aus der Ukraine. Beide waren schon bei vielen Baueinsätzen dabei, unter anderem in Afrika.

Organisiert wurde das Baucamp vom Bauorden Deutschland. Darüber ist auch Stephanie Mold nach Brenkhausen gekommen. Die Österreicherin hat schon in aller Welt freiwillig bei Bauvorhaben geholfen. "Aber ich dachte mir: Wieso soll ich weit weg fliegen, wenn ich auch im Nachbarland helfen kann?" Für die 29-jährige Studentin aus Linz ist das nicht nur eine gute Gelegenheit zu helfen, sondern auch um Land und Leute kennenzulernen. Für Bischof Anba Damian ist genau das auch der Sinn des Baucamps. "Alle wollen eine andere Kultur kennenlernen. Deshalb werden wir in den nächsten beiden Wochen zusammen arbeiten, essen und beten."

Geld bekommen die Freiwilligen nicht, dafür Kost und Logis im Kloster - und dazu viel Lob vom Bischof: "Was sie jetzt schon geschafft haben, ist wirklich ganz toll." In dem historischen Gemäuer haben sich die Helfer schnell eingelebt. "Ich komme selbst aus einer Kleinstadt, deshalb muss ich mich nicht umgewöhnen", sagt Anna-Katharina Dederich über Brenkhausen. "Und außerdem: Wir können hier im Schlamm wühlen - und was ist schöner?"

Neue Westfälische am 16.08.2010

Donnerstag, 5. August 2010

Internationale Jugend-Baustelle in Greiz

13 Jugendliche vom internationalen Bauorden arbeiten auf dem Gelände der Alten Papierfabrik Greiz. Die jungen Männer und Frauen aus Spanien, Rußland, Polen, der Ukraine und den Niederlanden unterstützen den Verein Alte Papierfabrik Greiz e.V. in den nächsten 14 Tagen beim Bau eines Zaunes um das Vereinsgelände.


Ich erhoffe mir von den kommenden zwei Wochen, dass wir hier richtig was schaffen. Hochmotiviert ist Blanca Schattner Montagmorgen zu Beginn ihres Arbeitseinsatzes, der 14 Tage dauern wird, an der Alten Papierfabrik in Greiz.

Sie ist eine von 13 Jugendlichen, die in zwei Wochen 238 Meter Zaun um das Gelände der ehemaligen Papierfabrik errichten.Das Besondere an dem Baucamp des Kulturvereines "Alte Papierfabrik Greiz" ist, dass die jungen Frauen und Männer aus ganz Europa die Reise nach Greiz antraten. Vermittelt wurden sie vom Internationalen Bauorden, einer Organisation, die interessierte Leute auf Baustellen gemeinnütziger Vereine vermittelt.

"Als wir von dem Bauorden erfuhren, haben wir uns mit dem Zaunbau-Projekt um acht Helfer beworben", erzählt Vereinsmitglied Tino Schmidt. Daraufhin hätten sich gleich so viele Interessierte gemeldet, dass die Ausschreibung vorzeitig beendet werden musste. "Einzige Bedingung war, dass wir uns um Unterbringung und Verpflegung der Leute kümmern", so Schmidt weiter. Und so bewohnen seit Sonntag fünf Polen, vier Niederländer, ein Russe, ein Tscheche, eine Spanierin und ein Deutscher das Wohnhaus auf dem Fabrikgelände. Hierfür konnte dank der nun fertig gestellten Kläranlage auch die Toilette im Haus in Betrieb genommen werden.




"Es sind im Prinzip alles handwerkliche Laien", erklärt Schmidt, "daher werden sie von einigen Vereinsmitgliedern angeleitet, die dafür Urlaub genommen haben." Wegen der überraschend vielen Jugendlichen können neben dem Zaunbau nun auch weitere kleine Arbeiten durchgeführt werden, wie Ausbesserungs- und Malerarbeiten, das Fliesen der Dusche oder Pflasterarbeiten. Schwerpunkt bleibt laut Schmidt allerdings der Bau des Zaunes, mit dem die internationalen Helfer bereits gestern Morgen begannen: "Nach langer Planungsphase können wir den Zaun nun angehen", meint Tino Schmidt weiter, "dieser dient vor allem dem Objektschutz. Wir haben in letzter Zeit oft irgendwelche Leute auf dem Gelände beobachtet, die dort nichts zu suchen hatten." Außerdem solle so ein ordentliches Erscheinungsbild, passend in der Vereinsfarbe "Nordisch Rot", geschaffen werden. Für das Material bewilligte das Thüringer Kultusministerium dem Verein insgesamt 12 900 Euro Fördermittel.

Als kleine Entlohnung erwartet die 13 fleißigen Arbeiter an ihrem Abschiedswochenende noch ein kultureller Höhepunkt: Das Papierfabrik-Openair am 13. und 14. August. Dieses war auch einer der Gründe für Blanca Schattner, sich auf die Baustelle in der Mylauer Straße zu bewerben. "Ich freue mich auf das Festival", meint die 19-Jährige, die in der Nähe der spanischen Großstadt Barcelona wohnt, "außerdem möchte ich meine Deutschkenntnisse verbessern."

Hier hat ihr Igor Schneider etwas voraus. Er ist der einzige Deutsche in der Reihen der Bauorden-Helfer, kommt aus Bamberg. "Für mein Studium brauche ich ein Baustellen-Praktikum", sagt der 20-Jährige und ergänzt, "statt eines herkömmlichen Bauprojektes habe ich aber etwas im sozialen Bereich gesucht und war hiervon sofort angetan." Beide, sowohl Schattner als auch Schneider, sind dabei vor allem von dem Arbeitsumfeld begeistert und freuen sich über den netten Umgang untereinander. Und damit die beiden und ihre elf Mitstreiter nicht nur arbeiten müssen, stehen für die Nachmittage verschiedene Aktionen, wie Stadtführungen, Filmabende oder Sport auf dem Programm.

Marcel Hilbert am 03.08.2010 in der Thüringer Allgemeinen.

Dienstag, 3. August 2010

Genug Arbeit für die nächsten Jahre

GROSS MEDEWEGE - Die Arbeiten auf dem Biohof Medewege scheinen nie abzureißen. Wie schon in den vergangenen Jahren sind auch jetzt Freiwillige aus ganz Europa auf dem Gutsgelände zu Gast, um bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen zu helfen. Während sie noch letzte Hand anlegen an Bauernhaus, Spielplatz und Fahrradpilz, plant die Hofgemeinschaft schon ein neues Mammut-Projekt: Der ehemalige Pferdestall soll im nächsten Jahr zu Ferienwohnungen und Seminarraum umgebaut werden. Auch dann werden wieder Freiwillige gebraucht, die vom Internationalen Bauorden für mehrere Wochen nach Medewege geschickt werden.


Bei tropischen Temperaturen ist es ganz schön hart, das Bauernhaus mit Lärchenbrettern zu verkleiden. Auch beim Zaunsetzen um den Spielplatz - die von der Aktion Mensch mit 3200 Euro geförderte Maßnahme beschäftigte schon im vergangenen Jahr die Freiwilligen und wird jetzt beendet - gerät man schnell ins Schwitzen. Eine von vielen Erfahrungen, die Christin Ahlert aus Köln und Franziska Wich aus Oberweißbach auf dem Biohof gesammelt haben. "Aber die Arbeit hier ist abwechslungsreich und spannend", sagt Franziska. Sie hat in Thüringen gerade Abi gemacht und möchte im Herbst mit einem Architekturstudium beginnen. Durch ihren dreiwöchigen Einsatz beim Bauorden wollte sie herausfinden, ob ihre Wahl wirklich die richtige ist.

Franziska hat offenbar ins Schwarze getroffen. Sie ist begeistert, auch von dem guten Kontakt zu den Leuten vom Hof und der Anlage selbst. Einkaufen kann sie im Hofladen, das Mittagessen kommt aus der Hof-Großküche, die auch Schulen und Kitas versorgt.

Schlafen können die "Ibos", wie die Freiwilligen kurz und liebevoll genannt werden, im ehemaligen Hofcafé unter hohen Bäumen. Duschen und Toilette gibt es im Gutshaus gegenüber. Eine komfortable Not-Lösung, aber noch das Optimum. Denn: "Wir haben immer wieder viele Praktikanten aus ganz Deutschland und Europa hier oder junge Leute, die für einige Zeit bleiben, um herauszufinden, ob sie in die biologisch-dynamische Landwirtschaft einsteigen wollen", erzählt Baukünstler Peter Zimmer. Gleichzeitig gibt es viele Anfragen von Touristen für einen Urlaub auf dem Bio-Bauernhof.

Die Lösung des Problems liegt direkt auf dem Gutsgelände: Der ehemalige Pferdestall, in dem einst auch der Kutscher lebte und seine Wagen standen, wird seit vielen Jahren nur als Abstellkammer genutzt. Ein Umbau musste hinter anderen Großprojekten wie der Sanierung von Guts- und Bauernhaus, Kindergarten, Hofladen, Hofcafé, Großküche, Mühlenbäckerei, Gemüsehalle und Kornspeicher zurückstehen. Nach knapp 20 Jahren bewegtem Leben und Bauen auf dem Biohof scheint jetzt seine Zeit gekommen. Peter Zimmer: "Neben Ferienwohnungen möchten wir einen Seminarraum bauen, der auch als Aufenthaltsraum für Jugendliche dient, die zu Arbeitseinsätzen hier sind - wenn das Wetter nicht so toll ist wie jetzt."

24. Juli 2010 von Maren Ramünke-Hoefer in der Schweriner Volkszeitung

Samstag, 10. Juli 2010

Krautheim: barrierefreie Wohnungen bei über 30 Grad im Schatten

Am Donnerstag war Susann – Praktikantin beim Bauorden seit Juli 2010 - auf Baucampbesuch in Krautheim beim „Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V.“ Der 1955 gegründete Verein vertritt die Interessen Körperbehinderter und ihrer Angehörigen.




Im aktuellen Baucamp renovieren und sanieren die Bauordensfreiwilligen in der Nähe des Wohnzentrums weitere barrierefreie Wohnungen. Den Menschen, die dort wohnen, wird so ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht.




Beim Besuch traf Susann die fünf engagierten Jugendlichen bei sehr hohen Temperaturen auf der Baustelle an. Mit dabei sind drei Drei-Monats-Freiwillige aus Russland, die in Krautheim ihr erstes Baucamp absolvieren. Unterstützt wird die Truppe vom Hausmeister der Einrichtung, Herrn Eduard Schmidt.



Herr Schwarz vom BSK, der die Gruppe betreut, war begeistert von der guten Arbeit, die die Teilnehmer trotz der hohen Temperaturen leisten. Er weiß diese freiwillige Arbeit sehr zu schätzen und freut sich auch in Zukunft wieder mit engagierten Freiwilligen des Bauordens zusammenzuarbeiten.

Baucamp in Höxter - Bischof Damian und das koptische Kloster

Am 04.07.2010 startete das zweiwöchige Baucamp in Höxter-Brenkhausen im ansässigen koptisch-orthodoxen Kloster. Es ist zudem eine Begegnungszentrum und ein Zentrum für Ökumene. Bischof Damian lebt dort seit vielen Jahren. Die Kopten sind eine christliche Minderheit aus Ägypten und haben dort häufig unter Repressionen zu leiden.




In Höxter wird das alte Klostergebäude seit 1994 restauriert. In diesemJahr sind Freiwillige des Bauordens vor Ort um dabei zu helfen. Derzeit wird der Ostflügel des Gebäudes restauriert. Stina und Susann waren am Dienstag zu Besuch vor Ort und wurden von den Teilnehmern und dem Bischof sehr herzlich empfangen.




Bei einem Mittagessen hatten wir die Möglichkeit mit dem Bischof über die Arbeiten und deren Fortschritt zu sprechen – er war sehr zufrieden und lobte die Gruppe der jungen Teilnehmer. Er findet es sehr wichtig, dass sich Menschen freiwillig engagieren und ist sich sicher, dass es auch in Zukunft noch viele Freiwillige geben wird.




Im Gespräch mit den Teilnehmern erfuhr Stina, dass sich die Teilnehmer, darunter auch sechs Drei-Monats-Freiwillige, sehr wohl fühlen in Höxter. Die Unterkunft ist gut und die Arbeitsatmosphäre sehr angenehm. Auch wenn die Tätigkeiten manchmal etwas schwerer sind und viele schon Blasen and den Händen haben - die Arbeit und das Ergebnis ist es wert.




Danke an Susann für Bericht und Bilder!

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Helfer aus drei Kontinenten

Brenkhausen . Seit 15 Jahren wird das alte Klostergebäude in Brenkhausen renoviert. In den letzten zwei Wochen durfte sich Bischof Anba Damian über internationale, tatkräftige und ehrenamtliche Unterstützung freuen. Freiwillige aus drei Kontinente waren im koptisch-orthodoxen Männerkloster zu Gast, um die Ruine auf Vordermann zu bringen.
Organisiert wurde die Hilfe durch den Internationalen Bauorden, über den sich die potenziellen Helfer für ein Projekt anmelden können. In der Regel nehmen an diesen Arbeiten Studenten teil, aber in Brenkhausen hat sogar eine Rentnerin eifrig mitgeholfen. Svetla Kaniss, die in Würzburg lebt und pensionierte Architektur-Technikerin ist, hatte sich zum ersten Mal für die unentgeltliche Arbeit angemeldet. "Für mich ist das eine ganz neue Erfahrung. Ich bin völlig begeistert", erzählte die Würzburgerin. "In so einer Ruine habe ich noch nie gearbeitet" sagte die gebürtige Bulgarin, für die auch die Arbeitsmaterialien neu waren.

In Höxter ließ sich Lehmbauweise lernen.

Das Kloster wird ganz in ägyptischer Tradition mit Lehm verputzt. "Das Wasser für den Lehmmischung wurde extra aus dem anliegenden Bach geholt", erzählt Bischof Anba Damian, der sich begeistert über die Einsatzfreude der fleißigen Helfer zeigte.
Koordiniert wurden die Arbeiten von der Höxteraner Firma Robrecht. "Die haben uns immer neue Aufgaben erteilt, die wir dann aber selbständig ausgeführt haben", erzählt Steffen Klemer, der in Göttingen Physik studiert.

Arbeit gab es in vielen Gewerken.

Auch die anderen Studenten haben nichts direkt mit der Baubranche zu tun. Für Ekatarina Kuzmina und Olga Tsygankova aus Russland dient der Arbeitseinsatz in Deutschland auch als Sprachreise.Beide studieren in ihrer Heimat Deutsch auf Lehramt.
Auch die Heimat der Kopten war in Brenkhausen vertreten. Eine Gruppe von jungen Männern aus Ägypten war auch täglich acht Stunden im Einsatz und sorgte zudem für das Essen am Mittag.

Gruppenbild mit Bischof Damian.

40 Wochenstunden schufteten die Helfer von Montag bis Freitag. Am Wochenende hatten sie frei und erfreuten sich an den Gastgeberqualitäten des Bischofs.
"Wir durften sogar mit auf eine koptische Hochzeit in Hannover", erzählte Steffen Klemer.

von Thorsten Wegner

aus: Neue Westfälische, Höxter Kreiszeitung, 29. September 2009
Fotos (3): kna

Montag, 24. August 2009

Baucamp in der Kirche

Wenn es um ihre Kirchen geht, überlässt Klettbachs Pastorin Charlotte Weber höchst ungern etwas dem Zufall. Doch genau dieser kam ihr für das derzeit aufwendigste Projekt, die neue Innenausmalung des Klettbacher Gotteshauses zu Hilfe. Denn nur dank der Weimarer Ehrenamtsagentur erfuhr sie vom Bauorden.

KLETTBACH. Leandra und Nadja studieren in Weimar Architektur, Alexander kommt aus Mannheim, ist gelernter Landschaftsgärtner und absolviert derzeit ein freiwilliges ökologisches Jahr. Augostino, genannt Ago, kommt aus Italien und studiert wie die junge Russin Anastasia Psychologie. Levent ist Bulgare, Naira Georgierin, Yang ein junger Chinese, der in Coburg studiert und Bauingenieur werden will. Zusammengeführt hat sie und ebenso Katja, Tamara und Wladimir der Bauorden Deutschland, ein Zweig des Internationalen Bauordens. Dieser organisiert seit 50 Jahren Jugendbegegnungen, Friedensdienste und Hilfsprojekte in ganz Europa. Und - hier kommt die Kirche Klettbach ins Spiel - er unterstützt soziale, kirchliche und gemeinnützige Einrichtungen durch Bau- und Renovierungsarbeiten. Und genau solche erledigten Leandra, Nadja, Ago und ihre Mitstreiter in den vergangenen 14 Tagen in der Klettbacher Kirche. Unentgeltlich versteht sich, Unterkunft und Verpflegung sind jedoch gratis. Da wurden im Kirchenschiff Holzwände, die Decken der Emporen und sämtliche Bänke geschliffen, von alter Farbe befreit und mit einem neuen Anstrich versehen, der eine ganz neue Helligkeit ins Gotteshaus brachte. "Wir hatten viel Spaß miteinander, bei der Arbeit und nach Feierabend", verriet der junge Malertrupp gestern ohne Zögern. Und: „Das ganze Dorf hat uns umsorgt. Wir hatten jeden Tag Kuchen und warmes Mittagessen sowieso. Wir wurden zum Einkaufen gefahren und zum Baden." Für Fußballfan Alexander ganz wichtig: "Obwohl es in der alten Schule, wo wir übernachten, keinen Fernseher gibt, konnte ich meine Fußballspiele anschauen." Ausflüge führten die "super Truppe", so O-Ton Leandra, nach Weimar und Erfurt. Das mit der "super Truppe" bestätigt Pastorin Charlotte Weber nur zu gern. Sie ist natürlich nicht die einzige, die in Klettbach überglücklich über die Fortschritte ist, die in den letzten 14 Tagen dank des Bauordens und der jungen Leute aus sechs Ländern bei der Innensanierung der Kirche erreicht wurden. Und das ohne tiefen Griff in die Baukasse. Denn auch der Altar harrt noch seiner Restaurierung, die aber in Hände eines Fachmannes gegeben werden muss. Apropos Hände. "Die Pastorin hält beide Hände über uns", meinte gestern Nadja ganz stolz. Das wird mit Sicherheit so bleiben, auch wenn sich die jungen von Klettbach und seiner Kirche wieder verabschieden.

aus: Thüringer Allgemeine, 21. August 2009

Sonntag, 23. August 2009

Internationale Hilfe für Wildpark

Ausländische Studenten bauen Fundament für Schafstall - 4000 Euro gespart - Heute Heimreise

Über tatkräftige internationale Unterstützung haben sich die Mitarbeiter des Wildparks Rheingönheim in der ersten Monatshälfte gefreut. Zwei Wochen lang haben Studenten aus Asien und Europa auf Vermittlung des Internationalen Bauordens auf dem Gelände ihr Baucamp aufgeschlagen und fachkundig bei der Errichtung des neuen Schafgeheges mit angepackt.
„Das ist ganz schön anstrengend', meinen Mengahe, Yin und Huiyen. Gerade haben die beiden 21-jährigen Chinesinnen und ihre 27-jährige Kollegin aus Taiwan mit vereinten Kräften einen großen Schubkarren voll Aufschüttmaterial an die Stallböschung gekippt. „Aber es ist auch ein sehr spannendes Erlebnis', sind sich die drei, die in Coburg und Karlsruhe Architektur studieren, einig.

Genau wie die anderen Teilnehmer des Camps finden sie es wichtig, ihren zukünftigen Beruf nicht nur vom Reißbrett aus kennenzulernen sondern auch einmal nachzuempfinden, was Maurer, Zimmerleute und Dachdecker am Bau leisten. Außerdem mache die Arbeit im internationalen Team viel Spaß und die Atmosphäre im Park sei außergewöhnlich schön.

„Neue Leute kennenlernen und sich in den Ferien sinnvoll ehrenamtlich beschäftigen', waren auch für Kunststudentin Karen aus Gent und ihre beiden belgischen Landsleute Annelies und Bram die Motivation, sich für das Projekt zu bewerben.

Seit über 50 Jahren organisiert der Bauorden, der im Dezember 2008 seinen Sitz nach Ludwigshafen verlegte, internationale Jugendbegegnungen, Friedensdienste und Hilfsprojekte in Europa. „Es ist uns wichtig, dass junge Menschen sich freiwillig für das Gemeinwesen einsetzen', erläuterte Michael Schnatz, Verantwortlicher der Baucamps im Inland. Regelmäßig unterstützt die Vereinigung gemeinnützige Einrichtungen durch Bau- und Renovierungsarbeiten. Dass die Helfer ihr Lager im Wildpark aufgeschlagen hatten, um das Fundament des Unterstandes am neuen Schafstall zu errichten und den maroden Gehegezaun zu erneuern, freute auch Baudezernent Ernst Merkel, Bereichsleiterin Angela Wolter und Wildparkleiter Rainer Lehmann. „Ihr Einsatz ist für uns enorm viel wert', sagte Merkel bei seinem Dank an die elf fleißigen Praktikanten. Rund 4000 Euro seien so gespart worden. „Das ist für uns enorm viel Geld', lobte der Dezernent.

Den Einzug der Ouessant-Schafherde in ihre schöne neue Behausung wird der multinationale Bautrupp allerdings nicht mehr miterleben. Bereits heute schlagen die fleißigen Helfer ihr außergewöhnliches Ferienlager bei Luchs und Co. ab und kehren nach Hause zurück. (akri)

Aus der Rheinpfalz.

Freitag, 10. Juli 2009

Hilfe aus Polen für Girlassic Park

Friesenheim: Mädchen-Freizeitanlage wird mit Hilfe polnischer Schülerinnen auf Vordermann gebracht

Von Thomas Schrott

Unkraut überwucherte die Wiesen, Dornenhecken breiteten sich aus. Spielgeräte blieben ungenutzt. Vor dem Aus stand der Girlassicpark an der Bexbacher Straße, der als bundesweit erster Mädchenfreizeitpark vor zwölf Jahren gegründet wurde. Nun will ihn der neue Vorstand des Fördervereins wieder mit Leben erfüllen - mit einer gravierenden Änderung. "Künftig sind auch Jungs auf dem Gelände willkommen, zumindest an zwei Tagen in der Woche", kündigte gestern Vorstandsmitglied Melanie Röske-Becker auf "MM"-Anfrage an. Im nächsten Jahr sollen dann alle geschlechtsspezifischen Einschränkungen fallen.

"Wir wollen den Girlassicpark im August wieder eröffnen", ergänzte die stellvertretende Vereinsvorsitzende Nicole Grünewald. Tatkräftige Unterstützung bei den Vorbereitungen leisten fünf junge Polinnen, die über den Internationalen Bauorden an den Ludwigshafener Verein vermittelt wurden.

"Die Gruppe ist ein Glückgriff", freute sich Röske-Becker. Die 16- bis 18-jährigen Schüler aus Thorn legen seit gut einer Woche kräftig Hand an. Sie brachten Wege in Ordnung, schnitten Sträucher zurück, entfernten Unkraut und möbelten Holzbänke auf. Bolzplatz sowie Volleyball- und Basketballfeld laden wieder zum Spielen ein.

Auf Vordermann bringen Ola Oskwarek und ihre vier Freundinnen auch die Holzhütten, die als Spielhaus oder Küche dienen. Hier ist die 18-jährige Kunststudentin in ihrem Element. Für die Gestaltung der Außenwände hat sie Figuren aus dem Disney-Film "Arielle" entworfen. Ein grüner Walfisch schwimmt neben einem roten Seepferdchen. Noch farbenprächtiger leuchtet freilich die Meeresjungfrau, die Ola zusammen mit ihrer Schwester Anja ausmalt.

"Wir fühlen hier uns wie in einer großen Familie", strahlt Martha Pencierzynska über das ganze Gesicht. Ihren 18. Geburtstag hat sie im Kreis des Fördervereins und des Bauordens gefeiert. Dieser organisiert von der Geschäftsstelle in der Schützenstraße aus internationale Jugendbegegnungen und Hilfsprojekte in ganz Europa.

Ein großes Problem muss der Förderverein gleichwohl noch lösen. Ein Teil des naturnahen Geländes ist gesperrt, weil es mit Kaninchenlöchern übersät ist. Lösungswege erörtert der Verein mit der Stadt. Röske-Becker: "Wir wollen bald mit dem Girlassicpark neu durchstarten."

Mannheimer Morgen
08. Juli 2009



Artikel aus der Rheinpfalz, 8. Juli 2009
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Donnerstag, 2. Juli 2009

Als Botschafter des Bauordens leisten acht Jugendliche ehrenamtliche Arbeit

Sie packen beim Bau des Freiluft-Dach-Cafés mit an

Neumünster - Eigentlich könnten sie sich ein gemütliches Leben machen. Irgendwo in der Sonne herumliegen und Eis essen zum Beispiel. Oder von einer Party zur nächsten ziehen. Doch sie haben mit ihrer Zeit besseres vor: Acht Jugendliche aus Russland, Estland, Litauen und Deutschland helfen als Botschafter des Internationalen Bauordens ehrenamtlich dem Café Jerusalem.


Eigentlich wollte Miriam Kronen (20) aus Neustadt an der Weinstraße gleich nach ihrem einjährigen Aufenthalt in Australien mit dem Medizin-Studium beginnen. „Das verzögert sich leider. Also habe ich mir überlegt, was ich Sinnvolles tun könnte und bin so über den Bauorden in Neumünster gelandet.“ Was ist der Internationale Bauorden? Eine in vielen europäischen Ländern verbreitete gemeinnützige Organisation, die in ganz Europa Baulager für junge Erwachsene organisiert. Sie errichten oder renovieren Häuser für Bedürftige. Der Orden wurde 1953 vom niederländischen Geistlichen Werenfried van Straaten gegründet und finanziert sich durch Spenden und Zuschüsse.


Friederike Lettau (20) aus Dresden ist Helfen nicht fremd. „Nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr habe ich etwas Sinnvolles gesucht. Und ich bereite mich so auf mein Architekturstudium vor.“ Reseda Muchtarullina und Dascha Konratjewa, beide 19 Jahre alt und aus dem russischen Ufa, wollen ihre Sprachkenntnisse verbessern. „Wir studieren Deutsch und wollen nette Leute kennen lernen.“ Sultan Altan (20) kommt aus Istanbul/Türkei und spricht kein Deutsch. „Ich fühle mich wohl hier und komme mit Englisch gut durch.“


Anpacken zum Nulltarif: (von links) Die Bauorden-Helfer Reseda, Miriam, Sultan, Eldar, Friederike und Dascha werden ohne Geld wichtige Arbeiten am Café Jerusalemin Neumünster vollenden. Foto: B. Krüger


Für Andreas Böhm, Leiter des Cafés Jerusalem, schickt die jungen Leute der Himmel. „Zwei Wochen lang werden sie hier für Kost und Logis helfen, unser Freiluft-Dach-Café, eine Wandverkleidung und ein Vordach zu errichten. Ein pensionierter Tischler und ein Schreinermeister betreuen sie dabei. Und wir legen auch Pausen ein, fahren an die Ostsee und zum Erdbeerpflücken. “ Auch wenn sich der Wert der Arbeit nicht messen lasse - „vergleichbare Aufträge bei Fachfirmen hätten uns sicher 20000 Euro gekostet.“ Geld, dass der Verein zur Unterstützung Bedürftiger in Neumünster garantiert nicht locker habe. Am 11. Juli wird laut Böhm zum Jahresfest des Cafés alles fertig sein. „Dann wird gefeiert.“


30. Juni 2009, Bert Krüger für die Kieler Nachrichten


Samstag, 16. Mai 2009

Filmbeitrag "Ratgeber Bauen & Wohnen"

Als Nachtrag zum letzten Blogeintrag möchten wir euch noch auf den Link zum eigentlichen Filmbeitrag in der ARD Mediathek hinweisen. Unter www.ardmediathek.de kann man sich das Interview mit den Freiwilligen des Bauordens und mit unserem Geschäftsführer Peter Runck anschauen, und natürlich auch einen ersten Einblick in die Arbeit auf einem Baucamp gewinnen.


Sonntag, 10. Mai 2009

Hämmern für die gute Sache

Am 10. Mai zeigte die ARD in ihrer Sendung "Ratgeber Bauen + Wohnen" einen Beitrag über den Bauordenseinsatz beim Eilhardshof in Neustadt an der Weinstraße. Für alle, die ihn verpasst haben, hier die Textfassung:


Freizeiteinsatz beim Internationalen Bauorden


von Lisa Vieth

Die Teilnehmer kommen aus ganz Europa

Naira kommt aus Georgien, Klaus, Moritz und Johannes aus Deutschland, Chrétienne ist Holländerin, Andrej Russe und Levent kommt aus Bulgarien - sechs junge Leute und ein Senior haben sich für ein ungewöhnliches Freizeitprogramm entschieden: Sie nehmen teil an einem Baucamp des Internationalen Bauordens. Statt Sonnencreme und Strandmatte haben sie Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe in ihrem „Urlaubsgepäck“. Zwei Wochen malochen sie täglich acht Stunden auf dem Bau - für andere und im Dienst einer guten Sache. Und ohne Bezahlung! Einige von ihnen verbringen sogar ein ganzes Jahr beim Bauorden und touren von Camp zu Camp, quer durch ganz Europa. „In den Baucamps kommen junge Leute zusammen, die spenden kein Geld, sondern die spenden Zeit und Arbeitskraft“, erklärt Peter Runck vom Bauorden die Idee der Organisation, „damit helfen sie sozialen und gemeinnützigen Projekten“.


Aus der Wohnungsnot der Nachkriegszeit geboren

... und das schon seit 1953. Damals nämlich wurde der Bauorden vom holländischen Ordensmann Werenfried van Straaten gegründet. Der Pater motivierte junge Leute, beim Bau von Eigenheimen für Flüchtlinge und Vertriebene mitzuhelfen, um die allgemeine Wohnungsnot zu lindern. Seither organisiert der Bauorden internationale Baucamps, und mehr als 350.000 Freiwillige waren bei den Hilfsprojekten schon im Einsatz.


Baucamp 2009: der Eilhardshof


Der Eilhardshof soll Mehrgenerationenhaus werden

Der Eilhardshof in Neustadt an der Weinstraße ist ein denkmalgeschütztes Anwesen und soll zu einem Mehrgenerationenhaus umgebaut werden. 30 bis 40 Menschen werden hier gemeinschaftlich miteinander leben und alt werden - Familien, Alleinerziehende, Singles, Junge und Alte. Die zukünftigen Bewohner haben sich im Mieterverein „Neuland“ zusammengeschlossen und das Gebäude im April 2008 gekauft. Insgesamt 1.700 Quadratmeter werden nun nach denkmalschützerischen und ökologischen Kriterien stufenweise ausgebaut. 18 Wohnungen unterschiedlicher Größe, Gemeinschaftseinrichtungen und Werkstätten entstehen hier.


Getestet und für gut befunden - das Wohnprojekt

Horst Stowasser (l) und Peter Runck

Horst Stowasser, Sprecher des Mietervereins und zukünftiger Bewohner des Eilhardhofs, war im Internet auf den Bauorden aufmerksam geworden. „Man macht sich ja schlau, wir haben ihn dann angesprochen, wir sind getestet worden, die sind sehr streng, und wir haben offenbar die Kriterien erfüllt“, erzählt Horst Stowasser nicht ohne Stolz.

Der Bauorden hat nicht nur das Konzept des Wohnprojekts geprüft - um Unterstützung zu bekommen müssen die Projekte sozial und gemeinnützig sein -, auch die Baustelle wurde direkt vor Ort begutachtet. Und das gleich zweimal. Bausicherheit war ein wichtiges Thema, aber auch der sinnvolle Arbeitseinsatz. Darüber hinaus hat der Projektpartner für Unterkunft und Verpflegung zu sorgen, und - nicht zu vergessen - auch für Freizeitaktivitäten. Im Gegenzug kümmert sich der Bauorden um Haft- und Unfallversicherung, Fahrt und Anreise. Dann war es endlich soweit, Ende April rückten die freiwilligen Helfer an.


Arbeit satt

Das denkmalgeschützte Ensemble aus Herrenhaus, Wirtschaftsgebäuden, Stallungen und einer Mühle ist über drei Jahrhunderte gewachsen. Die Gebäude wurden aber in den letzten Jahren ziemlich vernachlässigt. Es hat reingeregnet, faule Balken und marodes Mauerwerk müssen nun abgerissen und ersetzt, ehemalige Zugänge wieder hergestellt werden. Architekt Jörg Finkbeiner und Polier Enzo Lung können die tatkräftige Unterstützung ihrer Bauteams wahrlich gut gebrauchen. Aber auch die freiwilligen Helfer profitieren. „Wir haben auf der Baustelle verschiedenste Gewerke, unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten“, erklärt Jörg Finkbeiner das Prinzip der Arbeitseinsätze, „und wir haben dafür gesorgt, dass die Baucampteilnehmer nicht 14 Tage lang an einer Stelle arbeiten, sondern rotierend den einzelnen Teams zugeordnet sind. Wir haben mehrere Meister auf der Baustelle, so dass sie optimal betreut sind.“


„Kein Bock auf Strandurlaub“

Die Arbeit ist abwechslungsreich


Nur in der Sonne liegen ist der Holländerin Chrétienne zu wenig. Naira aus Georgien möchte nach Politikstudium und Bachelor einfach mal ein Jahr Pause machen. Levent aus Bulgarien und Andrej aus Russland wollen Deutschland kennenlernen. Für den 17-jährigen Johannes, der Zimmermann werden möchte, ist das Baucamp eine gute Möglichkeit, sich in den Gewerken ein bisschen umzusehen. Klar ist: Jeder möchte helfen. Aber jeder hat auch seine ganz persönliche Motivation. Moritz ist Anfang zwanzig und ausgebildeter Steinmetz. Er absolviert zur Zeit ein freiwilliges ökologisches Jahr beim Bauorden, weil er schlichtweg Lust auf Neues hatte. „Ich wollte rauskommen, wollte noch mal was erleben, nicht zehn Jahre im gleichen Betrieb arbeiten, und jetzt bin ich noch jung, da war die Gelegenheit günstig.“ Für die Bauleute auf dem Eilhardshof ist Moritz mit seinem Fachwissen ein richtiger Glücksfall.

Klaus aus Mecklenburg-Vorpommern ist 65, Rentner und der Senior der Gruppe. Früher hat er als Arzt gearbeitet, jetzt genießt er die handwerkliche Arbeit und fühlt sich ausgesprochen wohl in der Gruppe. „Das Gemeinschaftliche hat mir in meinen Berufsjahren immer gefehlt“, sagt er. Zwar sind es vorwiegend junge Leute, die sich in den Baucamp-Trupps zusammen finden, „aber auch Senioren, die rüstig sind und die Lust haben, acht Stunden zu arbeiten, sind herzlich willkommen“, betont Peter Runck vom Bauorden.

Nach zwei Wochen ist dann Schluss mit Schleifen, Hämmern und Buddeln für die gute Sache, der Hilfstrupp vom Bauorden rückt ab, heimwärts oder weiter zum nächsten Camp. Mit Sicherheit um einige Erfahrungen reicher. Auf der Baustelle hätte man den sympathischen Trupp gern länger da gehabt.


Mittwoch, 22. April 2009

Es war eine schöne Zeit in Dassel

Beim Zaunbau in Dassel.


Richtig gut gefallen hat es Johanna Zentgraf (21) auf ihrem ersten Baucamp. Nach ihrem Aufenthalt in Dassel schickte sie uns den nachfolgenden Bericht. Die Architekturstudentin aus München will bald schon auf ihr nächstes Camp fahren.


Ankunft

Nach ca. 5 Stunden Fahrt mit der Deutschen Bahn komme ich in Einbeck Salzderhelden an. Dort werde ich schon vom Leiter des CVJM-Hauses Solling, Gerald Stehrenberg, erwartet und freundlich empfangen, sofort erzählt er mir vom letzten IBO-Einsatz am Haus und seiner Dankbarkeit über eine solche Organisation wie den Bauorden.

Ankommen

Nach der kurzen Fahrt nach Dassel, wo wir noch einige „Kleinigkeiten“ in unsere Unterkunft für die erste Arbeitswoche bringen: Stühle, Nachttischlampen, Getränke, Knabbersachen, ein Fernsehgerät…

Da das Gästehaus überfüllt ist – 280 Konfirmanden treffen sich zu einer Vorbereitungsfreizeit – übernachten wir in der leerstehenden „Villa“, das ehemalige Rektorshaus beim Internat. In der zweiten Woche ziehen wir in das CVJM-Haus.

Kennenlernen

In der ersten Woche sind wir noch zu viert – lauter IBO-Neulinge bei ihrem ersten Einsatz: Ali und Volkan, beides Schüler aus Berlin, mit ihrem Klassenlehrer Horst und ich, Architekturstudentin aus München. Anfang der zweiten Woche wird der Klassenlehrer „abgelöst“ vom Werkpädagogen der Schule und wir bekommen ausländische Unterstützung: Naira, Politikwissenschaftsstudentin aus Georgien, Levent aus Bulgarien und Andrej, Student aus Russland, helfen jetzt mit. Die drei arbeiten für ein Jahr beim Bauorden und ziehen alle zwei, drei Wochen zum nächsten Baucamp quer durch Deutschland und auch ins Ausland.

Verständigungssprache ist von nun an also Englisch – für manche von uns ist der Englischunterricht noch recht frisch in der Erinnerung, für andere schon etwas in Vergessenheit geraten, auf jeden Fall bedeutet es eine gute Übung für alle, die wir recht gut meistern.

Arbeiten

Unter der hervorragenden Anleitung des Haustechnikers Matthias, der uns jeden Morgen die Arbeitsaufträge mit der höchsten Priorität bekanntgibt und sich im Laufe des Tages häufiger nach uns umsieht, uns Geräte, Maschinen und Material zur Verfügung stellt und besorgt, kommen wir gut voran: Eine neue Wasserleitung muss gelegt werden, zur Kläranlage und zum Ziegenstall, der Stall muss mit Wetterschutzfarbe gestrichen werden, eine neue Wasserableitung davor verlegt, die alte Drainage entfernt ,der Zaun ausgebessert und erneuert werden.

Erst als am vorletzten Tag der „Kobuta“, der kleine „Schieber-trekker“ launisch wird, kommt der Arbeitsdrang etwas ins Stocken. Unter der freundlichen Mithilfe von vier Gemeindemitgliedern aus Lemgo aber, die die Discgolf-Anlage für das anstehende große Turnier ausbessern, greifen wir zu Schaufel, Hacke und Rechen und rücken über Feierabend hinaus dem Wasserleitungsgraben zuleibe.

Zur Belohnung werden wir vom Duft frisch gegrillter Steaks empfangen, Salate, Fleisch, Brot erwarten uns beim Abschiedsessen…

Erholen

Auch wenn das ganze eigentlich ein Arbeitseinsatz ist, fehlen doch Erholungsangebote und -zeit nicht. Es gibt eine Kegelbahn, ein TV-Zimmer, die Discgolfanlage – mit für uns freier Benutzungsmöglichkeit –, den Wald zum Radfahren, Joggen und Wandern, Billardzimmer, Spielezimmer, usw.

Für Essen und Getränke ist immer gesorgt, auch die Extrawünsche werden immer beachtet: Kaffee nach dem Mittagessen, Cornflakes als Nachspeise, Konfitüre zum Abendessen…

Danken

Danken möchte ich den Mitarbeitern und Zivis und natürlich dem Leiter des Hauses, Herrn Stehrenberg, für die angenehme Zusammenarbeit, vor allem aber dem Haustechniker Matthias Hoffmann, der uns anleitete, unterstützte und alles zutraute, und mit dem vor allem Ali und Volkan ein beinahe kumpelhaftes Verhältnis aufbauten.

Es war eine schöne Zeit!

Dienstag, 17. Februar 2009

Baustein für Europa

Vier junge Osteuropäer helfen in Zagelsdorf

Zagelsdorf Auf der Baustelle des Christlichen Missionswerkes „Josua“ in Zagelsdorf wird für zwei Wochen neben Deutsch auch Russisch und Englisch gesprochen. Vier junge Leute aus Osteuropa unterstützen als Freiwillige den Ausbau eines alten Bauerngehöftes zu einem therapeutischen Nachsorgehaus.

Auf dem Gelände der ehemaligen Zagelsdorfer Gärtnerei betreibt der christliche Verein „Josua“ eine Therapiestätte für alkoholkranke Männer. „Nicht jeder traut sich nach dem Jahr, das er bei uns verbringt, schon ein eigenständiges Leben zu“, sagt Einrichtungsleiter Gerd Schubert. Deshalb sei die Idee eines Nachsorgehauses entstanden. Der Verein kaufte ein altes Bauernhaus im Dorf. Fünf Appartements mit Kochecke und Bad seien dort vorgesehen, erklärt Gerd Schubert.



Im Hof dreht sich der Mischer. Die jungen Männer karren Sand und Steine heran. Die Mädchen klopfen alten Putz von den Wänden. Levent Minalev (22) aus Bulgarien erzählt, er kenne die Arbeit auf dem Bau von zu Hause. Andrej Achmetschin (22) und Maria Verizub (18) aus Russland sowie Naira Lezgiani (22) aus Georgien sind Studenten. Für sie sei die körperliche Anstrengung ungewohnt, sagt Naira. „Aber die Leute sind nett und die Atmosphäre ist schön, deshalb macht es mir trotzdem Spaß“, so die junge Georgierin.

Alle vier osteuropäischen Freiwilligen kamen über ein Projekt des Internationalen Bauordens nach Zagelsdorf. Drei von ihnen verbringen ein ganzes Jahr in Deutschland, engagieren sich bei unterschiedlichen sozialen Vorhaben. Sie seien seit dem vergangenen August im Land, erzählt Levent. Er habe seither schon auf Fehmarn, in Potsdam und in Würzburg gearbeitet, berichtet der Bulgare. „Ich will helfen und zugleich neue Erfahrungen sammeln“, begründet er, warum er sich für das Projekt des Internationalen Bauordens bewarb. Andrej ergänzt, er wolle die Zeit nutzen, um Deutsch zu lernen. Maria erklärt, nach der geistigen Anstrengung beim Studium sei es ein willkommener Ausgleich, etwas mit den Händen zu schaffen. Sie wird als einzige insgesamt nur vier Wochen in Deutschland bleiben. „Danach beginnt für mich das nächste Semester. Schade, dass die Zeit so kurz ist“, sagt sie.

In Zagelsdorf gefalle es ihnen, berichten die Vier. „Das Haus Josua, in dem wir wohnen, ist sehr schön“, sagt Naira. Von der Jungen Gemeinde seien sie nach ihrer Ankunft zu einem Kennenlern-Abend eingeladen worden. „Wir haben Spiele gemacht und uns unterhalten. Auf Russisch, Englisch und mit Händen und Füßen. Es war lustig“, erzählt Maria. Gerd Schubert freut sich indes über die tatkräftige Hilfe der Freiwilligen. „Sie machen ihre Sache gut“, lobt er die jungen Leute.


Kommentiert

Junge Leute tauschen auf Zeit den Hörsaal gegen die Baustelle. Aus freien Stücken nehmen sie es auf sich, in einem fremden Land unentgeltlich ungewohnt hart zu schuften. Gutes zu tun, nennen die jungen Osteuropäer, die sich im Baucamp beim Verein Josua in Zagelsdorf engagieren, als ein Motiv.

Wenn auch nicht in klingender Münze, machen sie mit ihrem Einsatz dennoch Gewinn. Bei solcherart Begegnungen lässt sich mehr über das Leben, den Alltag, über die Freuden und Sorgen in anderen europäischen Ländern erfahren, als jedes Lehrbuch es vermitteln könnte. Verbindendes wird deutlich, und wohl so manches Vorurteil abgebaut. Auf diese Weise werden Bauprojekte Freiwilliger selbst zum kleinen Baustein für das Zusammenwachsen in einem gemeinsamen Haus Europa.

Lausitzer Rundschau, 12.02.2009 von Carmen Berg


Montag, 26. Januar 2009

Urlaub für alle!



Auch Familien mit einem geringen Einkommen sollen sich einen schönen Urlaub leisten können - dafür schuften Christian und Franz aus Österreich, Lidia und Andrej aus Russland, Levent aus Bulgarien und Naira aus Georgien. Die sechs streichen bereits seit einer Woche in einem Ferienhaus der Berliner Stadtmission auf Fehmarn die Räume in freundlichen, hellen Farben.


Lidia aus Kaliningrad


Die Familienerholungsstätte Haus Martini gewährt geringverdienenden Familien besondere Zuschüsse, so dass auch für sie ein Urlaub bezahlbar wird. Neben obligatorischen Strandspaziergängen locken gemütliche Kaminabende, Deutschlands größtes tropisches Aquarium im Meereszentrum Fehmarn oder Kicker- und Tischtennisturniere.


Die Aussicht


Nach einem anstrengenden Arbeitstag unternehmen unsere sechs Bauordensfreiwillige zwar keine großen Ausflüge mehr, aber eine gemütliche Runde am Kaminfeuer ist immer noch drin. Für's Wochenende ist dagegen schon eine Fahrt mit der Fähre nach Dänemark geplant. Bis dahin werden allerdings noch einige Räume in neuen Farben leuchten...


Andrej aus Russland streicht ein Zimmer für Familien.