Freitag, 19. Juni 2009

Gemeinsam auf der Baustelle

Sie arbeiten ohne Bezahlung acht Stunden am Tag - und tun das freiwillig. Die Teilnehmer am Baucamp im rumänischen Giurcani wollen helfen – das tun sie beispielsweise, indem sie ein Behindertenzenzentrum renovieren.

Arbeiten auf der Baustelle: Tommaso Pepe und Alessandro Luigi Longo

Es ist heiß an diesem Frühsommertag in Giurcani. Sechs Menschen des Internationalen Bauordens renovieren ein einstöckiges Wohnhaus. Einige kratzen den alten Lack ab, Melanie Seegelken schmirgelt das Holz. Die junge Frau aus Esslingen arbeitet eigentlich bei einem großen Energieversorger und ist unbestrittene Baucamp-Veteranin. Sie war schon bei neun Baulagern dabei. Die Arbeit in Giurcani sei allerdings bislang die härteste, erzählt sie. "Aber es ist gut organisiert. Hier haben wir wirklich etwas zu tun."

Acht Stunden Arbeit am Tag

Acht geistig Behinderte leben in dem familiären Behindertenzentrum "Casa Noua" – übersetzt heißt das "neues Haus". Einige von ihnen helfen den Freiwilligen aus Westeuropa bei der Arbeit.

Der Jurastudent Alessandro Luigi Longo arbeitet ohne Pause. "Ich bin hergekommen, um etwas Anderes aus zu probieren. Am Anfang war es schwer für mich, weil ich so eine Art Arbeit nicht kannte", erzählt er. Es ist sein erstes Baucamp.

Der 23-Jährige ist dazu auch zum ersten Mal in Rumänien - und das gleich in einem abgelegenen Dorf, weit weg von jeder urbanen Ablenkung. Doch den Italiener stört das nicht. Nach dem anstrengenden Achtstundentag ist er müde und fällt nur noch ins Bett.


Erholen von den Strapazen: Pause in der Hängematte.


Eintauchen in eine andere Lebenswelt

Zeit für Gemütlichkeit gibt es im Baucamp trotzdem. In der Mittagspause reden die Helfer aus den Niederlanden, aus Italien und Deutschland bei einem Kaffee auch über ihr Leben zu Hause. Mit am Tisch sitzt auch der Rumäne Sandu Coman. Er freut sich über die Arbeit der Freiwilligen. "Sie sind eine echte Hilfe: Einige installieren Sanitäranlagen und andere elektrische Leitungen."

Aufgebaut hat das "Casa Noua" der rumänisch-niederländische Verein "noi si voi". Hannah Smit hat den Verein gegründet, der die Hilfe des Internationalen Bauordens angefordert hat. Sie leitet auch das Baucamp, ist Managerin und Campmutter in einem. "Für manche Helfer ist es eine Art Kulturschock zu sehen, dass Leute heute in einem Dorf ohne Wasser leben, dass sie die Wäsche per Hand waschen", erzählt sie. Viele junge Leute würden nur ein luxuriöses, organisiertes Leben kennen und denken, dass das so sein müsse. "Da ist es gut, mal rauszukommen", sagt sie.

Diese Erfahrung hat auch der Italiener Tommaso Pepe gemacht. "Ich bin auch in dieses Camp gekommen, um zu verstehen, was Armut bedeutet. Armut ist, wenn die Straßen schlecht sind, wenn ein Dorf keinen Arzt, keine Post oder keine Schule hat", sagt er.


Statt Urlaub auf die Baustelle

Nah dran sein

Die Dörfer rund um das rumänische Giurcani sind oft nur über Schotterpisten erreichbar. Abends wird es still im Dorf – Autolärm gibt es hier nicht. Dann sitzen Melanie Seegelken und die anderen Helfer gemeinsam am Lagerfeuer. Es mache Spaß, anderen Leuten zu helfen, erklärt sie ihre Motivation. "Dadurch, dass wir Kontakt zu den Arbeitern haben, lernen wir die Leute besser kennen. Als Tourist würde man nicht drei Wochen mitten in einem rumänischen Dorf wohnen."


Hannah Smit aus den Niederlanden und Melanie Seegelken


Autorin: Grit Friedrich
Redaktion: Julia Kuckelkorn / Mareike Röwekamp

Weitere Informationen:

Seit über 50 Jahren organisiert der Internationale Bauorden (IBO) Jugendbegegnungen, Friedensdienste und Hilfsprojekte in Europa. Er unterstützt soziale und gemeinnützige Einrichtungen durch Bau- und Renovierungsarbeiten. Über 350.000 Schüler, Studierende, Auszubildende, Handwerker und Angestellte haben bisher als Freiwillige dabei geholfen. Die Kosten übernehmen zum großen Teil Spender.

Gegründet wurde der Bauorden 1953 vom holländischen Ordensmann Werenfried van Straaten. Heute gibt es in Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Österreich, Italien und Ungarn selbstständige nationale Bauordens-Organisationen.


Deutsche Welle, 16. Juni 2009

Montag, 15. Juni 2009

Internationale Gäste renovierten Zimmer

Bauorden in Mulfingen: Freiwillige aus sechs Nationen / Neue Jugendzimmer für die St. Josefspflege

Mulfingen. Mit großer Freude über das ehrenamtliche Engagement begrüßte Bürgermeister Robert Böhnel die Teilnehmer des "Baucamps" der St. Josefspflege Mulfingen gGmbH. In diesem Jahr kamen die Teilnehmer aus Korea, St. Petersburg, Deutschland, Bulgarien, Georgien, Lettland und hatten sich die Zimmer der Kinder und Jugendlichen vorgenommen.

Es wurde tapeziert, gestrichen und repariert. Die Kinder und Jugendlichen unterstützten diese Aktivitäten durch ein gemeinsames Rahmenprogramm oder auch gemeinsame Freizeitaktivitäten in Rothenburg ob der Tauber, Künzelsau und Ähnlichem.

Die Teilnehmer verlassen Mulfingen mit vielen Erinnerungen und Impressionen.


BM Robert Böhnel, Ulrich Beck, Mi Jang (Korea), Naira Lezgiani (Georgien), Jan-Philipp Frenking (D), Egilga Silsere (Lettland), Alexej Gagarin (St. Petersburg), Levent Mihaley (Bulgarien), Norbert Wagner, Johann Dirnberger

(Foto: St. Josefspflege Mulfingen gGmbH)



Seit über 50 Jahren organisiert der Internationale Bauorden internationale Jugendbegegnungen, Friedensdienste und Hilfsprojekte in Europa. Er unterstützt soziale und gemeinnützige Einrichtungen durch Bau- und Renovierungsarbeiten. Informationen dazu gibt es in der St. Josefspflege und auch im Internet unter der Adresse "www.bauorden.de".

Fränkische Nachrichten 15. Juni 2009

Samstag, 16. Mai 2009

Filmbeitrag "Ratgeber Bauen & Wohnen"

Als Nachtrag zum letzten Blogeintrag möchten wir euch noch auf den Link zum eigentlichen Filmbeitrag in der ARD Mediathek hinweisen. Unter www.ardmediathek.de kann man sich das Interview mit den Freiwilligen des Bauordens und mit unserem Geschäftsführer Peter Runck anschauen, und natürlich auch einen ersten Einblick in die Arbeit auf einem Baucamp gewinnen.


Sonntag, 10. Mai 2009

Hämmern für die gute Sache

Am 10. Mai zeigte die ARD in ihrer Sendung "Ratgeber Bauen + Wohnen" einen Beitrag über den Bauordenseinsatz beim Eilhardshof in Neustadt an der Weinstraße. Für alle, die ihn verpasst haben, hier die Textfassung:


Freizeiteinsatz beim Internationalen Bauorden


von Lisa Vieth

Die Teilnehmer kommen aus ganz Europa

Naira kommt aus Georgien, Klaus, Moritz und Johannes aus Deutschland, Chrétienne ist Holländerin, Andrej Russe und Levent kommt aus Bulgarien - sechs junge Leute und ein Senior haben sich für ein ungewöhnliches Freizeitprogramm entschieden: Sie nehmen teil an einem Baucamp des Internationalen Bauordens. Statt Sonnencreme und Strandmatte haben sie Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe in ihrem „Urlaubsgepäck“. Zwei Wochen malochen sie täglich acht Stunden auf dem Bau - für andere und im Dienst einer guten Sache. Und ohne Bezahlung! Einige von ihnen verbringen sogar ein ganzes Jahr beim Bauorden und touren von Camp zu Camp, quer durch ganz Europa. „In den Baucamps kommen junge Leute zusammen, die spenden kein Geld, sondern die spenden Zeit und Arbeitskraft“, erklärt Peter Runck vom Bauorden die Idee der Organisation, „damit helfen sie sozialen und gemeinnützigen Projekten“.


Aus der Wohnungsnot der Nachkriegszeit geboren

... und das schon seit 1953. Damals nämlich wurde der Bauorden vom holländischen Ordensmann Werenfried van Straaten gegründet. Der Pater motivierte junge Leute, beim Bau von Eigenheimen für Flüchtlinge und Vertriebene mitzuhelfen, um die allgemeine Wohnungsnot zu lindern. Seither organisiert der Bauorden internationale Baucamps, und mehr als 350.000 Freiwillige waren bei den Hilfsprojekten schon im Einsatz.


Baucamp 2009: der Eilhardshof


Der Eilhardshof soll Mehrgenerationenhaus werden

Der Eilhardshof in Neustadt an der Weinstraße ist ein denkmalgeschütztes Anwesen und soll zu einem Mehrgenerationenhaus umgebaut werden. 30 bis 40 Menschen werden hier gemeinschaftlich miteinander leben und alt werden - Familien, Alleinerziehende, Singles, Junge und Alte. Die zukünftigen Bewohner haben sich im Mieterverein „Neuland“ zusammengeschlossen und das Gebäude im April 2008 gekauft. Insgesamt 1.700 Quadratmeter werden nun nach denkmalschützerischen und ökologischen Kriterien stufenweise ausgebaut. 18 Wohnungen unterschiedlicher Größe, Gemeinschaftseinrichtungen und Werkstätten entstehen hier.


Getestet und für gut befunden - das Wohnprojekt

Horst Stowasser (l) und Peter Runck

Horst Stowasser, Sprecher des Mietervereins und zukünftiger Bewohner des Eilhardhofs, war im Internet auf den Bauorden aufmerksam geworden. „Man macht sich ja schlau, wir haben ihn dann angesprochen, wir sind getestet worden, die sind sehr streng, und wir haben offenbar die Kriterien erfüllt“, erzählt Horst Stowasser nicht ohne Stolz.

Der Bauorden hat nicht nur das Konzept des Wohnprojekts geprüft - um Unterstützung zu bekommen müssen die Projekte sozial und gemeinnützig sein -, auch die Baustelle wurde direkt vor Ort begutachtet. Und das gleich zweimal. Bausicherheit war ein wichtiges Thema, aber auch der sinnvolle Arbeitseinsatz. Darüber hinaus hat der Projektpartner für Unterkunft und Verpflegung zu sorgen, und - nicht zu vergessen - auch für Freizeitaktivitäten. Im Gegenzug kümmert sich der Bauorden um Haft- und Unfallversicherung, Fahrt und Anreise. Dann war es endlich soweit, Ende April rückten die freiwilligen Helfer an.


Arbeit satt

Das denkmalgeschützte Ensemble aus Herrenhaus, Wirtschaftsgebäuden, Stallungen und einer Mühle ist über drei Jahrhunderte gewachsen. Die Gebäude wurden aber in den letzten Jahren ziemlich vernachlässigt. Es hat reingeregnet, faule Balken und marodes Mauerwerk müssen nun abgerissen und ersetzt, ehemalige Zugänge wieder hergestellt werden. Architekt Jörg Finkbeiner und Polier Enzo Lung können die tatkräftige Unterstützung ihrer Bauteams wahrlich gut gebrauchen. Aber auch die freiwilligen Helfer profitieren. „Wir haben auf der Baustelle verschiedenste Gewerke, unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten“, erklärt Jörg Finkbeiner das Prinzip der Arbeitseinsätze, „und wir haben dafür gesorgt, dass die Baucampteilnehmer nicht 14 Tage lang an einer Stelle arbeiten, sondern rotierend den einzelnen Teams zugeordnet sind. Wir haben mehrere Meister auf der Baustelle, so dass sie optimal betreut sind.“


„Kein Bock auf Strandurlaub“

Die Arbeit ist abwechslungsreich


Nur in der Sonne liegen ist der Holländerin Chrétienne zu wenig. Naira aus Georgien möchte nach Politikstudium und Bachelor einfach mal ein Jahr Pause machen. Levent aus Bulgarien und Andrej aus Russland wollen Deutschland kennenlernen. Für den 17-jährigen Johannes, der Zimmermann werden möchte, ist das Baucamp eine gute Möglichkeit, sich in den Gewerken ein bisschen umzusehen. Klar ist: Jeder möchte helfen. Aber jeder hat auch seine ganz persönliche Motivation. Moritz ist Anfang zwanzig und ausgebildeter Steinmetz. Er absolviert zur Zeit ein freiwilliges ökologisches Jahr beim Bauorden, weil er schlichtweg Lust auf Neues hatte. „Ich wollte rauskommen, wollte noch mal was erleben, nicht zehn Jahre im gleichen Betrieb arbeiten, und jetzt bin ich noch jung, da war die Gelegenheit günstig.“ Für die Bauleute auf dem Eilhardshof ist Moritz mit seinem Fachwissen ein richtiger Glücksfall.

Klaus aus Mecklenburg-Vorpommern ist 65, Rentner und der Senior der Gruppe. Früher hat er als Arzt gearbeitet, jetzt genießt er die handwerkliche Arbeit und fühlt sich ausgesprochen wohl in der Gruppe. „Das Gemeinschaftliche hat mir in meinen Berufsjahren immer gefehlt“, sagt er. Zwar sind es vorwiegend junge Leute, die sich in den Baucamp-Trupps zusammen finden, „aber auch Senioren, die rüstig sind und die Lust haben, acht Stunden zu arbeiten, sind herzlich willkommen“, betont Peter Runck vom Bauorden.

Nach zwei Wochen ist dann Schluss mit Schleifen, Hämmern und Buddeln für die gute Sache, der Hilfstrupp vom Bauorden rückt ab, heimwärts oder weiter zum nächsten Camp. Mit Sicherheit um einige Erfahrungen reicher. Auf der Baustelle hätte man den sympathischen Trupp gern länger da gehabt.


Mittwoch, 22. April 2009

Es war eine schöne Zeit in Dassel

Beim Zaunbau in Dassel.


Richtig gut gefallen hat es Johanna Zentgraf (21) auf ihrem ersten Baucamp. Nach ihrem Aufenthalt in Dassel schickte sie uns den nachfolgenden Bericht. Die Architekturstudentin aus München will bald schon auf ihr nächstes Camp fahren.


Ankunft

Nach ca. 5 Stunden Fahrt mit der Deutschen Bahn komme ich in Einbeck Salzderhelden an. Dort werde ich schon vom Leiter des CVJM-Hauses Solling, Gerald Stehrenberg, erwartet und freundlich empfangen, sofort erzählt er mir vom letzten IBO-Einsatz am Haus und seiner Dankbarkeit über eine solche Organisation wie den Bauorden.

Ankommen

Nach der kurzen Fahrt nach Dassel, wo wir noch einige „Kleinigkeiten“ in unsere Unterkunft für die erste Arbeitswoche bringen: Stühle, Nachttischlampen, Getränke, Knabbersachen, ein Fernsehgerät…

Da das Gästehaus überfüllt ist – 280 Konfirmanden treffen sich zu einer Vorbereitungsfreizeit – übernachten wir in der leerstehenden „Villa“, das ehemalige Rektorshaus beim Internat. In der zweiten Woche ziehen wir in das CVJM-Haus.

Kennenlernen

In der ersten Woche sind wir noch zu viert – lauter IBO-Neulinge bei ihrem ersten Einsatz: Ali und Volkan, beides Schüler aus Berlin, mit ihrem Klassenlehrer Horst und ich, Architekturstudentin aus München. Anfang der zweiten Woche wird der Klassenlehrer „abgelöst“ vom Werkpädagogen der Schule und wir bekommen ausländische Unterstützung: Naira, Politikwissenschaftsstudentin aus Georgien, Levent aus Bulgarien und Andrej, Student aus Russland, helfen jetzt mit. Die drei arbeiten für ein Jahr beim Bauorden und ziehen alle zwei, drei Wochen zum nächsten Baucamp quer durch Deutschland und auch ins Ausland.

Verständigungssprache ist von nun an also Englisch – für manche von uns ist der Englischunterricht noch recht frisch in der Erinnerung, für andere schon etwas in Vergessenheit geraten, auf jeden Fall bedeutet es eine gute Übung für alle, die wir recht gut meistern.

Arbeiten

Unter der hervorragenden Anleitung des Haustechnikers Matthias, der uns jeden Morgen die Arbeitsaufträge mit der höchsten Priorität bekanntgibt und sich im Laufe des Tages häufiger nach uns umsieht, uns Geräte, Maschinen und Material zur Verfügung stellt und besorgt, kommen wir gut voran: Eine neue Wasserleitung muss gelegt werden, zur Kläranlage und zum Ziegenstall, der Stall muss mit Wetterschutzfarbe gestrichen werden, eine neue Wasserableitung davor verlegt, die alte Drainage entfernt ,der Zaun ausgebessert und erneuert werden.

Erst als am vorletzten Tag der „Kobuta“, der kleine „Schieber-trekker“ launisch wird, kommt der Arbeitsdrang etwas ins Stocken. Unter der freundlichen Mithilfe von vier Gemeindemitgliedern aus Lemgo aber, die die Discgolf-Anlage für das anstehende große Turnier ausbessern, greifen wir zu Schaufel, Hacke und Rechen und rücken über Feierabend hinaus dem Wasserleitungsgraben zuleibe.

Zur Belohnung werden wir vom Duft frisch gegrillter Steaks empfangen, Salate, Fleisch, Brot erwarten uns beim Abschiedsessen…

Erholen

Auch wenn das ganze eigentlich ein Arbeitseinsatz ist, fehlen doch Erholungsangebote und -zeit nicht. Es gibt eine Kegelbahn, ein TV-Zimmer, die Discgolfanlage – mit für uns freier Benutzungsmöglichkeit –, den Wald zum Radfahren, Joggen und Wandern, Billardzimmer, Spielezimmer, usw.

Für Essen und Getränke ist immer gesorgt, auch die Extrawünsche werden immer beachtet: Kaffee nach dem Mittagessen, Cornflakes als Nachspeise, Konfitüre zum Abendessen…

Danken

Danken möchte ich den Mitarbeitern und Zivis und natürlich dem Leiter des Hauses, Herrn Stehrenberg, für die angenehme Zusammenarbeit, vor allem aber dem Haustechniker Matthias Hoffmann, der uns anleitete, unterstützte und alles zutraute, und mit dem vor allem Ali und Volkan ein beinahe kumpelhaftes Verhältnis aufbauten.

Es war eine schöne Zeit!

Dienstag, 17. Februar 2009

Baustein für Europa

Vier junge Osteuropäer helfen in Zagelsdorf

Zagelsdorf Auf der Baustelle des Christlichen Missionswerkes „Josua“ in Zagelsdorf wird für zwei Wochen neben Deutsch auch Russisch und Englisch gesprochen. Vier junge Leute aus Osteuropa unterstützen als Freiwillige den Ausbau eines alten Bauerngehöftes zu einem therapeutischen Nachsorgehaus.

Auf dem Gelände der ehemaligen Zagelsdorfer Gärtnerei betreibt der christliche Verein „Josua“ eine Therapiestätte für alkoholkranke Männer. „Nicht jeder traut sich nach dem Jahr, das er bei uns verbringt, schon ein eigenständiges Leben zu“, sagt Einrichtungsleiter Gerd Schubert. Deshalb sei die Idee eines Nachsorgehauses entstanden. Der Verein kaufte ein altes Bauernhaus im Dorf. Fünf Appartements mit Kochecke und Bad seien dort vorgesehen, erklärt Gerd Schubert.



Im Hof dreht sich der Mischer. Die jungen Männer karren Sand und Steine heran. Die Mädchen klopfen alten Putz von den Wänden. Levent Minalev (22) aus Bulgarien erzählt, er kenne die Arbeit auf dem Bau von zu Hause. Andrej Achmetschin (22) und Maria Verizub (18) aus Russland sowie Naira Lezgiani (22) aus Georgien sind Studenten. Für sie sei die körperliche Anstrengung ungewohnt, sagt Naira. „Aber die Leute sind nett und die Atmosphäre ist schön, deshalb macht es mir trotzdem Spaß“, so die junge Georgierin.

Alle vier osteuropäischen Freiwilligen kamen über ein Projekt des Internationalen Bauordens nach Zagelsdorf. Drei von ihnen verbringen ein ganzes Jahr in Deutschland, engagieren sich bei unterschiedlichen sozialen Vorhaben. Sie seien seit dem vergangenen August im Land, erzählt Levent. Er habe seither schon auf Fehmarn, in Potsdam und in Würzburg gearbeitet, berichtet der Bulgare. „Ich will helfen und zugleich neue Erfahrungen sammeln“, begründet er, warum er sich für das Projekt des Internationalen Bauordens bewarb. Andrej ergänzt, er wolle die Zeit nutzen, um Deutsch zu lernen. Maria erklärt, nach der geistigen Anstrengung beim Studium sei es ein willkommener Ausgleich, etwas mit den Händen zu schaffen. Sie wird als einzige insgesamt nur vier Wochen in Deutschland bleiben. „Danach beginnt für mich das nächste Semester. Schade, dass die Zeit so kurz ist“, sagt sie.

In Zagelsdorf gefalle es ihnen, berichten die Vier. „Das Haus Josua, in dem wir wohnen, ist sehr schön“, sagt Naira. Von der Jungen Gemeinde seien sie nach ihrer Ankunft zu einem Kennenlern-Abend eingeladen worden. „Wir haben Spiele gemacht und uns unterhalten. Auf Russisch, Englisch und mit Händen und Füßen. Es war lustig“, erzählt Maria. Gerd Schubert freut sich indes über die tatkräftige Hilfe der Freiwilligen. „Sie machen ihre Sache gut“, lobt er die jungen Leute.


Kommentiert

Junge Leute tauschen auf Zeit den Hörsaal gegen die Baustelle. Aus freien Stücken nehmen sie es auf sich, in einem fremden Land unentgeltlich ungewohnt hart zu schuften. Gutes zu tun, nennen die jungen Osteuropäer, die sich im Baucamp beim Verein Josua in Zagelsdorf engagieren, als ein Motiv.

Wenn auch nicht in klingender Münze, machen sie mit ihrem Einsatz dennoch Gewinn. Bei solcherart Begegnungen lässt sich mehr über das Leben, den Alltag, über die Freuden und Sorgen in anderen europäischen Ländern erfahren, als jedes Lehrbuch es vermitteln könnte. Verbindendes wird deutlich, und wohl so manches Vorurteil abgebaut. Auf diese Weise werden Bauprojekte Freiwilliger selbst zum kleinen Baustein für das Zusammenwachsen in einem gemeinsamen Haus Europa.

Lausitzer Rundschau, 12.02.2009 von Carmen Berg


Dienstag, 10. Februar 2009

Von Turnübungen und Überfütterung

„Was machen acht erwachsene junge Menschen in dieser äußerst seltsamen Pose?“ wird sich wohl so mancher beim Anblick dieses Bildes fragen.



Es handelt sich hier weder um ein Baulager, noch um einen Akrobatikkurs. Dies ist eine Übung, die wir während des On-arrival-trainings vom 28.01.-01.02.2009 für Freiwillige in Bulgarien gemacht haben. Teilgenommen haben acht Freiwillige, die sechs bis zwölf Monate in verschiedenen Projekten und Vereinen in verschiedenen Städten in Bulgarien arbeiten. Dabei waren zwei Deutsche, eine Estin, ein Franzose, drei Italiener und ein Tscheche.

Zusammen haben wir fünf Tage lang im Hotel „Famous House“ im Zentrum von Plovdiv, der zweitgrößten Stadt Bulgariens, gewohnt und gearbeitet. Jeden Tag gab es vier große Arbeitseinheiten, in denen über Freiwilligendienste allgemein, EVS im Besonderen, Rechte und Pflichten, Organisatorisches wie Versicherung und Probleme und ihre Lösungen gesprochen haben. Es gab hitzige Diskussionen, abwechslungsreiche Spiele und zwischendrin viel zu viel zu Essen…


Eine Arbeitsgruppe während des Seminars

Plovdiv ist die zweitgrößte Stadt Bulgariens und ist eine der ältesten Städte Europas. So gibt es heute noch eine wunderschöne Altstadt mit einem römischen Amphitheater. Von einem Hügel der Altstadt hat man eine weite Aussicht auf die gesamte Stadt und die umliegenden Hügel. Am Samstagnachmittag haben wir einen Ausflug zum Kloster von Bachkovo gemacht. Dieses Kloster ist eines der ältesten und größten ostorthodoxen Klöster in Europa. Es liegt malerisch in den Bergen, etwa eine halbe Stunde von Plovdiv entfernt.


Das römische Theater


Die Altstadt in Plovdiv

Falls ihr jetzt Lust auf Bulgarien bekommen habt - im Sommer wird es zwei Baucamps in der Nähe von Burgas geben…