Mittwoch, 10. März 2010

Freiwilligendienst in Bulgarien - mal etwas anderes machen

Seit fünf Monaten bin ich nun schon in Burgas in Bulgarien. Ich mache hier einen Europäischen Freiwilligendienst. Das ist ein Freiwilligenprogramm, das von der Europäischen Union gesponsort wird. Meine Entsendeorganisation ist der Internationale Bauorden in Ludwigshafen. Meine Aufnahmeorganisation, bei der ich für 11 Monate meinen Freiwilligendienst leiste, ist der FAR Verein für demokratische Bildung in Burgas.
Die letzten fünf Monate sind schnell vorbei gegangen, ich habe sehr viel erlebt, interessante Begegnungen gehabt, neue Freunde gewonnen, neue Ort entdeckt und angefangen eine neue Sprache zu sprechen. Aber ich will von vorne anfangen und das heißt warum ich jetzt eigentlich hier bin.

Ich habe 2009 mein Abitur in Karlsruhe gemacht und danach wollte ich nicht sofort studieren sondern erst mal „etwas anderes“ machen. Ich wollte ein anderes Land, eine andere Sprache und Kultur kennen lernen. Schon lange hatte ich den Traum Osteuropa zu entdecken und am liebsten wollte ich nach Bulgarien. Diese ungewöhnliche Vorliebe habe ich von meiner Mutter. Sie war es nämlich, die mich schon als Kind in die Kinder Balkan Folklore Tanzgruppe schickte und ebenfalls durch sie fing ich mit 9 Jahren an, im bulgarischen Frauenchor Bela Rado mitzusingen. So kam ich in Kontakt mit der bulgarischen Folklore und auch mit Menschen aus Bulgarien und ich wollte die Zeit nach der Schule nutzen um dieses Land, aus dem diese wunderbare Musik kommt, kennen zu lernen.

Außerdem bin ich der Meinung, dass Vielen in Deutschland die osteuropäischen Länder immer noch sehr fremd und fern vorkommen und das Interesse daran eher klein ist, die Unwissenheit und Vorurteile aber umso größer sind.



Aber das Jahr ist für mich auch eine Chance in einen Arbeitsbereich zu schauen, der mich sehr interessiert: politische Bildung. Da ich plane nach dem Freiwilligendienst Politikwissenschaften zu studieren, interessierte mich die Stelle bei FAR sehr. So war ich sehr froh als ich erfuhr, dass mir der Bauorden die Möglichkeit geben würde, meinen Freiwilligendienst bei FAR in Burgas zu machen.

Ich habe vor dem Beginn meines Freiwilligendienstes das IBO Büro in Ludwigshafen besucht. So hatte ich die Möglichkeit die Menschen, die beim IBO arbeiten, kennen zu lernen und eine Vorstellung der Arbeit des Vereins zu bekommen. Die Projekte und auch die interessante Geschichte des IBO haben mich sehr fasziniert und vor allem auch der intensive Kontakt zu Osteuropa. Der Bauorden nimmt auch junge Bulgaren für ein längeres freiwilliges Engagement auf, von denen ich einige kennen lernen konnte, die mir von Bulgarien und Burgas erzählen konnten.

Burgas ist die viertgrößte Stadt in Bulgarien und liegt am Schwarzen Meer. In jedem Reiseführer wird man vor Burgas ausdrücklich gewarnt, denn hier gibt es, zumindest laut den Autoren der Reiseführer nichts zu sehen. Ich muss mein neues Zuhause da allerdings verteidigen. Ich fühle mich sehr wohl hier und finde dass Burgas auf jeden Fall einen Besuch lohnt. Das schönste an Burgas ist eindeutig das Meer und der Meeresgarten, der lange Park, der sich entlang der Küste erstreckt. Mit viel Grün und Statuen von bulgarischen Freiheitskämpfern und Poeten ist der Meeresgarten nicht nur Lieblingsplatz der Besucher der Stadt, sondern vor allem auch ihrer Bewohner. So sieht man viele Spaziergänger, jung und alt, im Meeresgarten umherschlendern oder auf der „Brücke“, die eigentlich eher ein langer Steg ist, ein Wahrzeichen der Stadt Burgas. Auch der Strand selbst ist für einen Stadtstrand sehr weit und frei von Gebäuden und so bin ich noch bis November schwimmen gegangen. Es gibt außerdem zwei schöne Fußgängerzonen mit netten alten Häusern in denen man schön bummeln kann.






Woran ich mich schon erst mal gewöhnen musste, sind die hohen und oft ziemlich herunter gekommenen Wohnblocks. Auch wenn die Wohnungen selbst oft in keinem so schlechten Zustand sind, wirken die Blocks von außen meistens nicht so einladend. Genauso wenig wie die Aufzüge, bei denen meistens die Türen fehlen. (Kommt ja nicht auf die Idee, eine Tür beim Vorbeifahren aufstoßen zu wollen, dann bleibt der Aufzug nämlich stehen…) Auch an das innige Verhältnis mit meiner Vermieterin, meiner Baba (Oma) musste ich mich erst gewöhnen, denn es beinhaltete das „Aufräumen“ meiner Sachen, während ich nicht in der Wohnung war.

Allerdings bin ich nach zwei Monaten umgezogen. Eine einigermaßen komplizierte Sache, da ich für die Abrechnung alle möglichen Papiere, wie Mietvertrag, Strom- und Wasserrechnung brauche, diese in Bulgarien aber eher schwierig zu bekommen sind. Auch mit der WG-Kultur sieht es hier anders aus wie in Deutschland und so wohne ich nun nach langer Suche, bei der ich allerdings sehr viel ausdauernde Hilfe meiner Kolleginnen und meiner Mentorin bekam in einer schönen geblümten Wohnung, gleich hinter der Fußgängerzone, zusammen mit einem anderen deutschen Freiwilligen.



Nun aber zu meiner Arbeit beim FAR Verein für demokratische Bildung. FAR organisiert Seminare für Erwachsene und Jugendliche zu unterschiedlichen sozio-politischen Themen, sowohl regional als auch international. Es gibt viele Seminare in Kooperation mit der deutschen Partnerorganisation Haus am Maiberg in Heppenheim.



Die meiste Zeit bin ich im Büro, dort helfe ich die Seminare vor- und nachzubereiten. Das heißt konkret z.B. Flyer entwerfen, Materialien raussuchen und kopieren, Übersetzungen. Außerdem schreibe ich Texte und sammele Materialien für die zukünftige Internetseite. Im Moment läuft die ganze Werbung für die FAR Seminare über Mundpropaganda. So gehe ich oft an unterschiedliche Schulen und auch an die Universitäten um Teilnehmer für die Seminare zu werben und auch um ein bisschen über Freiwilligendienst zu sprechen.
Die Seminare sind unterschiedlich lang, manche nur mit bulgarischen Teilnehmern und manche sind internationale Begegnungen.

So hatten wir z.B. im Oktober ein Seminar in Pomorie, einer kleinen Küstenstadt in der Nähe von Burgas, ein Seminar mit bulgarischen, französischen und deutschen Teilnehmern. Es wurde zusammen mit dem französischen Partnerverein Roudel durchgeführt. Das Thema war „Geschichte und Erinnerung“. Es war wirklich sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich in den drei Ländern mit Geschichte und gerade auch mit „dunklen Kapiteln“ in der eigenen Geschichte umgegangen wird, wie verschieden z.B. auch das Verhältnis zu Nationalfeiertagen- und helden, zu den Nachbarländern und vielem mehr ist.

Daneben hatten wir mehrere eintägige Seminare zu unterschiedlichen Themen.
Eines für Erwachsene hatte das Thema „Bulgaren und Türken – Vergangenheit und Gegenwart“. Wer sich von einem Bulgaren etwas über sein Heimatland erzählen lässt wird ziemlich bald von dem sogenannten „osmanischen Joch“ erfahren. Bulgarien war nämlich 500 Jahre Teil des Osmanischen Reiches und erlangte erst 1908 seine Unabhängigkeit, dank der bulgarischen Freiheitskämpfer und des netten großen Bruders – Russland. Russland hat die armen Bulgaren nämlich von den bösen Türken gerettet. Wenn man dann auf die hässlichen grauen Blocks, die einen hier umgeben zeigt und fragt ob mit Russland nicht noch was anderes war in der jüngeren Geschichte wird das mit einem müden Lächeln abgetan, die Türken waren’s.


Das ist natürlich eine total überspitzte Sicht der Dinge und mir sind viele Bulgaren begegnet, die ganz und gar nicht so denken. Trotzdem ist das Verhältnis der Bulgaren und der türkischen Minderheit im eigenen Land und der Türkei als Nachbarland oft problematisch. So hatte das FAR Seminar das Ziel diese beiden Bevölkerungsgruppen zum Dialog zu bringen und auch über ein Kapitel in der bulgarisch-türkischen Geschichte zu sprechen, das bis heute ein Tabu ist: „Die große Exkursion der Türken“. Darunter versteht man den Massenexodus der in Bulgarien lebenden muslimischen und türkischen Minderheit Ende der 80er Jahre. Das kommunistische Regime zwang die türkische Minderheit bulgarische Namen anzunehmen, Aufstände wurden gewaltvoll niedergeschlagen und viele Angehörige dieser Minderheit wurden gezwungen in die Türkei auszuwandern, wo viele bis dahin noch nie in ihrem Leben gewesen waren. Andere folgten der Bewegung und so wanderten insgesamt fast eine Million Menschen aus. Dass hier nach wie vor noch eine Menge an Aufarbeitungsarbeit zu leisten ist, zeigte das FAR Seminar.


Ein Seminar für Jugendliche hatte das Thema „Eine Straße – viele Kirchen“. Der Titel spielt auf eine Straße in Burgas an, in der es eine orthodoxe, eine katholische und eine armenische Kirche gibt und eine Synagoge. Während dem Seminar lernten die Jugendlichen mehr über die unterschiedlichen Religionen und es wurden die eigenen Vorurteile reflektiert und über Toleranz gesprochen. Der Enthusiasmus, den die Jugendlichen bei dem Seminar zeigten, beeindruckte mich sehr. Vorurteile z.B. gegenüber Muslimen sind hier leider oft zu finden. Während der FAR Seminare könne solche abgebaut werden.

Bei meinem Besuch in bulgarischen Schulen konnte ich einen kleinen Eindruck in das bulgarische Schulsystem bekommen. Der Unterricht ist hier meistens sehr frontal, es wird viel auswendig gelernt. Die Jugendlichen reproduzieren nur, haben allerdings in der Schule keine Möglichkeit eine eigene Meinung zu Sachverhalten zu formen, zu artikulieren und zu hinterfragen. Deswegen halte ich die FAR Seminare für sehr wichtig weil sie genau das hier können. Sie werden ernst genommen und ihre Meinung respektiert und mit unterschiedlichen Methoden bringen die Seminare die Jugendlichen zum Nach- und Umdenken. Gerade auch die Begegnung mit jungen Menschen aus anderen Ländern kann dazu beitragen.


Im November haben wir außerdem eine Informationsveranstaltung zum Europäischen Freiwilligen Dienst organisiert. Wenn ich mich mit jungen Bulgaren über ihre Zukunftspläne unterhalte, haben die meisten ziemlich konkrete Pläne: Studieren, am besten im Ausland und danach Geld verdienen. Das in Deutschland oft beliebte Jahr im Ausland, z.B. zwischen Schule und Studium, ist in Bulgarien sehr unüblich und die Möglichkeiten dazu vollkommen unbekannt. So ist es wichtig, dass sich die jungen Leute austauschen und Alternativen kennen lernen.




FAR ist außerdem die koordinierende Partnerorganisation des Internationalen Bauordens in Bulgarien. So organisiert der FAR Verein seit 2007 die bulgarischen Baulager des IBO. Ich hatte die Möglichkeit zwei Einsatzstellen des IBO zu sehen, in Balgarovo und in Sredetz – beides Dörfer in der Nähe von Burgas.

In Balgarovo wurde während einem Baulager die Tshitalishte renoviert. Eine Tshitalishte gibt es in fast jeder bulgarischen Stadt, es ist eine Art Kulturhaus, mit einer Bibliothek, Räumen für Unterricht, Tanz-und Musikproben und einem Vorführungssaal. Diese Einrichtungen sind nicht nur traditioneller Teil des bulgarischen Bildungssystems, vergleichbar mit den deutschen Volkshochschulen, sondern tragen auch zum kulturellen Leben einer Gemeinde und der Erhaltung der bulgarischen Folklore bei. Allerdings sind viele Tshitalishte in einem sehr maroden Zustand und haben eine Renovierung dringend nötig. So wurde die Tshitalishte in Balgarovo letztes Jahr neu renoviert und kann jetzt sehr viel besser genutzt werden. Zum Beispiel gibt es nun einen Raum, der den Jugendlichen des Dorfes für Treffen zur Verfügung steht.


Ein Baulager in Sredetz fand ebenfalls in einer Tshitalishte statt. Darüber hinaus wurde in den letzten Jahren ein Stockwerk des Jugendzentrums renoviert. In diesem Gebäude wohnten ehemals Schüler aus Nachbardörfern, die in Sredetz zur Schule gehen. Für diesen Zweck wird heute aber nur noch ein Stockwerk benutzt und der Rest des Gebäudes steht leer. So wurde während den letzten Baulagern ein Stockwerk als „Tagungszentrum“ ausgebaut. Es gibt dort Schlafräume, eine Küche, einen Gemeinschaftsraum und einen sehr schönen Seminarraum. Diese Räumlichkeiten nutzt FAR nun für seine mehrtägigen Seminare. So haben seit der Renovierung im Sommer 2009 schon mehrere Seminare mit Jugendlichen hier stattgefunden. Da FAR keine eigenen Räumlichkeiten für Seminare hat, finden sie jedes Mal an anderen Orten statt und diese neue Möglichkeit in Sredetz ist sehr wichtig für die Weiterentwicklung der Arbeit von FAR.


Im Herbst 2009 hat außerdem der Konsultativrat des Internationalen Bauordens in Sredetz stattgefunden. Da es den Bauorden nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern gibt, werden zweimal jährlich Treffen aller IBOs organisiert, immer in einem anderen Land, um sich auszutauschen, durchgeführte Projekte zu evaluieren und Neue zu planen. 2009 war zum ersten Mal Bulgarien das Gastland. Ich half bei der Organisation des CC (Consultative Council) und war dann auch die zwei Tage in Sredetz dabei. Es war schön, dass die Vertreter der IBOs die bulgarischen Einsatzstellen nicht nur besuchen konnten, sondern gleich den CC dort abhalten und auch dort übernachten konnten. Für mich war diese Konferenz sehr interessant weil ich viel über die Organisation des Vereins lernen konnte, ich konnte sehen wie viel Planerei und Arbeit hinter all den Projekten steht und auch einen Eindruck bekommen, was mit den Baulagern in den letzten Jahrzenten alles schon erreicht wurde. Auch fand ich es spannend wie unterschiedlich die IBOs in den verschiedenen Ländern sind, allein schon was Größe und Kapazitäten aber auch Schwerpunkte in den Projekten, angeht.


Zurzeit sind wir schon mit der Vorbereitung der nächsten Baulager beschäftigt, denn auch im Sommer 2010 wird es zwei Baucamps in Bulgarien geben, wieder in Sredetz und in Balgarovo. Ich helfe bei der Organisation und werde auch an den Projekten teilnehmen, worauf ich mich schon sehr freue. Ich habe mich mit einigen bulgarischen Jugendlichen unterhalten, die letztes Jahr teilgenommen haben und alle sehr begeistert waren. Ich bin schon sehr gespannt …


Ich bin natürlich nicht die einzige europäische Freiwillige in Bulgarien. So lerne ich bei den begleitenden EFD – Seminaren die anderen Freiwilligen aus ganz Europa, die gerade in Bulgarien sind, kennen. Die internationale Atmosphäre auf diesen Seminaren ist wirklich etwas ganz besonderes. So habe ich jetzt Freunde in allen möglichen Ländern Europas und der Austausch mit ihnen ist eine der wichtigsten Sachen, die ich von meiner Zeit hier bis jetzt mitgenommen habe. Denn so verschieden wir auch alle sind, bemerkt man schnell, dass wir, wo auch immer wir herkommen, genauso viele Gemeinsamkeiten haben. Es ist toll sich mit jemand aus Georgien zu unterhalten und festzustellen dieselbe Musik zu hören oder sich mit jemand aus Litauen auf die gleiche Kritik an der Kirche einigen zu können. Ich bin in den letzten Monaten viel durch Bulgarien gereist und durch die EFD – Seminare kenne ich in vielen bulgarischen Städten andere Freiwillige, die ich besuchen kann.


Allerdings habe ich nicht nur mit ausländischen Freiwilligen Kontakt, sondern auch mit Bulgaren. Wenn mich Leute fragen, ob ich schon viele Freunde in Burgas habe, antworte ich meistens dasselbe: Nicht viele aber die, die ich habe sind mir schon sehr ans Herz gewachsen. Erst mal sind da meine herzlichen Kolleginnen, die mir bei allem helfen. Außerdem habe ich eine Mentorin, eine Ansprechpartnerin, die mir bei Problemen hilft und für mich da ist. Evgenia meine Mentorin ist noch sehr jung, sie hat gerade ihren Psychologie Bachelor beendet und ist voller Energie und guter Ideen. Wir sind gute Freunde geworden, gehen zusammen Kaffee trinken und in die bulgarische Disco, durch sie habe ich auch andere Bulgaren in Burgas kennen gelernt. Außerdem arbeitet Evgenia bei einer anderen NGO, die sich unter anderem in einem Kinderheim in Burgas engagiert.
Ich war mit ihr einige Male in dem Kinderheim. Dort gibt es kaum Freizeitangebote für die Kinder bis auf eine Tanzgruppe, die ich einige Male besucht habe und geholfen habe Kostüme mit den Kindern zu basteln.


Die Situation der Kinder in dem Heim ist wirklich katastrophal. Die Kinder sind 6 bis 18 Jahre alt, die meisten kommen aus anderen Heimen. Das Heim ist mitten im Zentrum von Burgas und aufgrund mangelnder Betreuung und Freizeitangebote hängen die Kinder eigentlich den ganzen Tag nur auf der Straße rum, wo sie früh mit Betteln, Drogen und Prostitution in Kontakt kommen. Die meisten Kinder kommen aus Romafamilien und sind einer doppelten Ausgrenzung ausgesetzt. Sie haben nicht den bei Roma so wichtigen Rückhalt der Familie und der Gemeinschaft und werden aber auf der anderen Seite von der bulgarischen Gesellschaft wie Dreck behandelt.


So habe ich nun vor mit dem Spendengeld einer Schule in Durmersheim, in der Nähe von Karlsruhe das Freizeitangebot der Kinder ein bisschen zu erweitern. Ich habe mich mit Hilfe der Kontakte von FAR und Evgenia mit verschiedenen Verantwortlichen des Heims getroffen und versuche ein Projekt zu starten, also nicht alleine durchzuführen aber zumindest insofern zu koordinieren, dass ich kontrollieren kann, dass das Geld wirklich den Kindern des Heims zugutekommt und nicht irgendwo auf dem Weg dorthin verschwindet, wie es in Bulgarien so oft der Fall ist. Ein Projekt in einem Kinderheim zu starten ist allerdings alles andere als einfach weil es sehr schwierig ist an solche Institutionen heran zu kommen, sie sind sehr von der Öffentlichkeit isoliert und die bürokratischen Hürden machen alles sehr kompliziert aber ich werde es weiter probieren. Auch ist mein Bulgarisch noch nicht gut genug um alles alleine zu besprechen.



Ich habe zwei Mal die Woche Bulgarisch Unterricht und versuche im Büro so viel wie möglich Bulgarisch zu sprechen. Inzwischen kann ich mich ganz gut verständigen, bin aber vom richtig fließend sprechen noch weit entfernt. Allerdings habe ich da ja auch noch ein bisschen Zeit …



Bis jetzt genieße ich meine Zeit hier auf jeden Fall in vollen Zügen und ich habe noch viel vor für die nächsten Monate.

von Rebekka Hölzle

Dienstag, 1. Dezember 2009

"Ihr werdet wirklich gebraucht" - Bauordenprojekt in Dacia Rumänien


Thomas Baumann ist 24 Jahre, lebt in Gossau in der Schweiz und arbeitet als kaufmännischer Angestellter bei einer Versicherung. Der Einsatz im rumänischen Dacia vom 24. Mai bis 6. Juni 2009 war sein erstes Baulager. In Dacia unterstützt der Bauorden bereits seit 2006 Jahren das Projekt „Coppiii Europei/Kinder Europas“ beim Umbau eines früheren Pfarrhauses in ein Jugendbegegnungszentrum. Das Projekt wird vom Schweizer Bauorden in Zusammenarbeit mit dem Bauorden Deutschland organisiert. Dacia hat etwa 700 Einwohner und liegt im Kreis Brasov (Siebenbürgen).


„Von diesem Projekt des Bauordens hatte mir ein Kollege erzählt. Hier kann man anpacken und Gutes tun. Somit war für mich die Sache rasch beschlossen, Ende Mai packte ich meine Sachen und ging mit viel Enthusiasmus nach Rumänien.

Was ich dort antraf, überwältigte mich in vieler Hinsicht. In dem kleinen, aber feinen Dörfchen Dacia fühlte man sich sehr willkommen. Die Leute haben stets herzhaft gegrüßt und mir gezeigt, dass sie sich über meine Anwesenheit freuen. Auch als ich zusammen mit einigen einheimischen jungen Männern an der Dorfkirche das Dach und die Wände reparierte, war ich herzlich willkommen. Man zeigte mir sofort die Kunst Wände zu verputzen und das Dach einzudecken. Die Arbeiten waren sehr vielfältig; ich arbeitete im früheren Pfarrhaus, das jetzt eine Jugendbegegnungsstätte wird und half bei Renovierungsarbeiten im Haus einer Roma-Familie. Die Familie war für die Unterstützung sehr dankbar. Ich darf aber nicht vergessen zu erwähnen, dass auch die Söhne der Roma-Familie kräftig mitgearbeitet haben.


Mein größter Dank gilt Frank Roth, dem Projektleiter des Baucamps, den er zeigte mir von früh Morgens bis spät Abends was zu machen war, erklärte mir alles genau, nahm sich Zeit dafür , hatte Nerven aus Stahl (nicht nur mit mir, sondern auch für die vielen anderen Mithelfenden). Er war mit vollem Herzblut bei der Sache, hatte gesunden Realismus und Menschenverstand, war absolut gerecht. Wir haben viel zusammen gelacht und uns über kleine gelungene Projekte gefreut. Er ist wirklich ein wunderbarer Mensch, ich hoffe es werden noch viele weitere junge und ältere Bauordenshelfer nach Dacia in Rumänien kommen und eine Zeit erleben und auskosten, wie ich sie dort selbst verbringen durfte.


Sehr interessant war auch mein Besuch des Wochenmarktes in der 6 km entfernten Kleinstadt Rupea oder meine Teilnahme am Pfingstgottesdienst in Deutsch-Weiskirch / Viscri.

Was ich hier aus Dacia mitgenommen habe, ist nur schwer zu beschreiben. Das Wichtigste: Wie viel man mit etwas Selbstvertrauen erreichen kann; und wie man noch mehr erreichen kann, wenn man zusammenhält, im Team arbeitet, miteinander und nicht gegeneinander kommuniziert. Gemeinsam geht es einfach besser.

Ich konnte auch sehen wie das alte Pfarrhaus jetzt neu genutzt wird. Eine Gruppe mit behinderten Kindern und ihre Betreuer verbrachten dort einen herrlichen Urlaub. Dafür musste die Gruppe nur ein kleines Entgelt zahlen. Solche Möglichkeiten gibt es sonst in Rumänien kaum oder gar nicht.

Ich habe mit so vielen verschiedenen Menschen zusammengearbeitet, gelacht, gespielt, mich gefreut, mich unterhalten (auch mit Händen und Füssen, da ich ja kein Rumänisch kann, doch habe ich schon ein paar Wörter gelernt und konnte sie auch mehr oder weniger anwenden). Aber irgendwie hat man sich immer verstanden und voneinander gelernt. Aber auch das erlebte Vertrauen der Roma-Familie, der ich sehr viel helfen durfte, war ein Geschenk, wie ich es noch von sehr wenigen Leuten in meinen Leben bisher bekam. Nicht weil ich Ihnen half, sondern Sie gaben mir das Gefühl ich gehöre in dem kleinen Dorf dazu, und bin nicht einfach ein Tourist der für zwei Wochen hier arbeitet und später wieder zurückgeht, sich wieder dem alten Leben verschreibt. Nein, mir gaben sie das Gefühl ein Teil von Ihnen zu sein, etwas Besonderes.

Natürlich auch einen Dank an den Bauorden Schweiz, der mir die Teilnahme an dem Baucamp in Dacia ermöglicht hat. Für mich waren diese Wochen ein Geschenk fürs Leben. An alle, die diesen Bericht lesen: Geht bitte in ein Baulager nach Dacia in Rumänien zu Frank Roth. Es gibt dort noch viel Arbeit und ihr werdet wirklich gebraucht.“

Freundliche Grüsse

Thomas Baumann

Teilnehmer an Baucamps trafen sich in Bad Dürkheim





Vom 6. bis 8. November 2009 fand das diesjährige Teilnehmertreffen vom Bauorden statt. Zugegebenermaßen strategisch gut gelegen – für die Pfälzer zumindest – kamen die 35 Teilnehmer aus fast allen Ecken Deutschlands ins idyllische Bad Dürkheim. Doch die Teilnehmer waren ja bereits schon gut trainiert durch ihre Anreise zu den Baucamps. Sei es in Albanien, Rumänien oder Hohenthann.

Herzlich empfangen vom IBO-Team, fand das offizielle Begrüßungs- und Vorstellungsplenum am Freitagabend statt. Nach vielen kleinen Anekdoten seitens des Teams und der Teilnehmer, bekam jeder der Anwesenden 10 Euro in die Hand gedrückt mit der Message „Mach was draus!“ Die Aktion ist ein Ansporn, um alle ins Spenden-Sammeln mit einzubinden und die Kreativität aller etwas anzukurbeln. Um konkrete Ideen zu besprechen, ging es dann vom offiziellen zum inoffiziellen Teil des Abends über, mit Wein, Chips und einem überaus beliebten Kickertisch. Für manche wurde der Abend länger, für andere die Nacht früh. Doch Hut ab - (fast) alle standen pünktlich zum Frühstück wieder auf der Matte.

Im Laufe des Samstags folgten weitere Gesprächsrunden und Gemeinschaftsspiele um die Erfahrungen der Teilnehmer während ihrer Baucamps auszutauschen, neue Ideen für Projekte vor zu bringen, und ein allgemeines Meinungsbild, über das was in der vergangenen Saison statt gefunden hatte, zu erstellen. Für das Wohlbefinden der Teilnehmer wurde redlich gesorgt: damit keiner vom Fleisch fällt, gab es in regelmäßigen Abständen Unmengen an leckerem Essen. Um dann wiederum nicht zu platzen, ging es nach dem Mittagessen zum Samstagsspaziergang auf die Limburg. Durch den wunderschönen Pfälzerwald, der gerade noch genug bunte Blätter hatte, um zu beeindrucken.



Abends gab eine Präsentation über den Bauorden und seine Geschichte, gefolgt von einigen Fernsehbeiträgen über die Projektarbeit des IBOs/Bauordens. Auch Teilnehmer beteiligten sich, indem sie beispielsweise selbst gedrehte Kurzfilme von ihren Baucamps vorführten http://bit.ly/4dD8mJ. Ein weiterer geselliger Abend folgte.

Am Sonntag war dann auch schon wieder der große Abreisetag. Doch bevor die ersten gingen, wurde das Wochenende evaluiert und insgesamt von allen Teilnehmern als informativ und gut bewertet. Außerdem wurden die Teilnehmer-Vertreter gewählt um die Sicht der aktuellen Baucamp-Teilnehmer bei Vorstandssitzungen zu repräsentieren und die jugendliche Seite des Bauordens zu stärken. In Zukunft werden Volker und Sarah die Teilnehmer bei den Vorstandssitzungen vertreten, wobei sie tatkräftige Unterstützung von Melanie, Hanna und Rieke erhalten.



Nach drei Tagen ging ein schönes und erfolgreiches Teilnehmertreffen zu Ende. Vielen Dank an alle, die das Wochenende organisiert und mitgetragen haben sodass es ein solcher Erfolg wurde!

von Henrieke Moll

Montag, 30. November 2009

Baucamp im Gutshaus Hermannshagen: Äpfel, Schafe, Lehm und Stroh im Norden Deutschlands

Olga Mischenko aus Perm kam zu einem Freiwilligendienst zum Inter-nationalen Bauorden. Nach ihrer Rückkehr verfasste sie diesen Beitrag.

Hinreise

Ende Juli habe ich mich in den Zug nach Moskau gesetzt. Von da aus ging es mit dem Bus nach Berlin. Fast zwei Tage im Sitzen, über die Straßen des Baltikums holpernd (ein ungerechtfertigter Umweg in die Hauptstadt Deutschlands, dafür aber eine ziemlich billige Lösung). Diese Heldentat habe ich zum zweiten und, wie ich mir selbst geschworen habe, zum letzten Mal vollbracht, denn die Busfahrt hat mich doch ziemlich erschöpft.

Vor und nach dem Freiwilligenlager war ich ein paar Tage in Berlin. Hier habe ich bei Verwandten gewohnt. Dadurch, dass ich mich mit ihnen und ihrem Bekanntenkreis austauschte, tauchte ich in das Leben der Berliner Russland-deutschen ein. Die sprechen haupt-sächlich russisch und haben vor allem Kontakt mit anderen Russen. Und obwohl ich mir alle Sehenswürdigkeiten der deutschen Hauptstadt angeschaut habe, habe ich es trotzdem nicht ganz geschafft, zu realisieren, dass ich mich in Deutschland befinde – aus den schon beschriebenen Gründen: durch den Austausch mit Russlanddeutschen. Umso abrupter war das Eintauchen in das sprachliche Umfeld des Freiwilligenlagers, wo alle um mich herum ausschließlich Deutsch sprachen.



Auf dem Baucamp: ein Schaf schlachten mit Kuchenpausen
und nicht nur das ...

Das Baucamp befand sich in Mecklenburg-Vorpommern, im Dörfchen Hermannshagen. Wir haben am Gutshaus gearbeitet, das unter Denkmalschutz steht; deshalb wird es nicht abgerissen, sondern es werden regelmäßige Renovierungsarbeiten durchgeführt. Die Arbeiten hätte nicht unterschiedlicher sein können: Lehm für das Verputzen der Decke zusammen rühren, einen Anbau abreißen, das Dach ausbessern, Kabel unter dem Straßenpflaster verlegen und sogar ein Schaf ausweiden. Trotzdem muss ich sagen, dass der Arbeitstag nicht besonders anstrengend war: Wir haben Kaffeepausen gemacht, leckeren Kuchen gegessen und abends verschiedene Spiele gespielt, unter anderem mit Zirkusrequisiten (Ich habe fast gelernt, mit drei Bällen zu jonglieren!).



Am Wochenende hatten wir Freizeit, und wir haben einen tollen Ausflug nach Kühlungsborn an die Ostsee gemacht. Wir sind abends angekommen und haben am Meerufer in Schlafsäcken übernachtet. Das war unvergesslich! Der einzige Nachteil waren die vielen Sachen, die wir mit uns herumschleppen mussten. Das Schwerste davon war das Zelt, das wir dann doch nicht aufgebaut haben, weil es noch nicht besonders kalt war.



Außerdem gab es im Lager Feier uns zu Ehren. Wir hatten eine tolle Party, haben unter freiem Himmel getanzt, uns Feuer- und Zirkusshow angesehen. Ich bin sehr mit der Teilnahme an diesem Baucamp zufrieden. Ich habe vieles herausgeholt: neue Begegnungen, neue Orte, interessante Bekanntschaften und natürlich vor allem Eindrücke, Eindrücke und noch mehr Eindrücke.

Montag, 9. November 2009

Albertas macht Werbung für Umweltschutz

Ein Jahr lang war Albertas Kutka aus Litauen Freiwilliger beim Bauorden und half in internationalen Gruppen auf zahlreichen Baucamps. Nach seiner Rückkehr wirkte er in einem Video-Clip mit, in dem für bewußteren Umgang mit der Umwelt geworben wird. Ein kleiner Junge im Panda-Kostüm weist gedankenlos handelnde Erwachsene auf ihr Fehlverhalten hin. Die fünf Spots sind witzig gemacht und überaus sehenswert. Im fünften Film wird Albertas streng belehrt, lieber einen Deoroller zu verwenden statt einer Spraydose. Wer die Streifen ansehen will, findet sie unter:
http://tadasvidmantas.lt/videos.html

Wir finden, das hat Albertas gut gemacht!

Albertas auf einem Baucamp in Ochtendung

Dienstag, 3. November 2009

Video-Clip aus Dacia / Rumänien

Von ihrem Baucamp in Dacia im Oktober dieses Jahres brachte Sarah Quast einen Video-Clip mit, den sie dem Bauorden freundlicherweise zur Verfügung stellte. Der Bauorden arbeitet seit einigen Jahren in Dacia mit dem deutsch-rumänischen Verein Copiii Europei (Kinder Europas) zusammen, der als Initiativgruppe für Hilfsgüterlieferungen entstand und sich heute in zahlreichen sozialen Projekten engagiert. Die ökumenische Organisation vermittelt Freiwillige an soziale Einrichtungen in Rumänien und baut das ehemalige evangelische Pfarrhaus der Gemeinde Dacia in ein Jugendbegegnungs- und Bildungs­zentrum um. In Dacia lebten bis Mitte der 1980iger Jahre überwiegend Siebenbürger Sachsen. Nach ihrer Auswanderung standen viele Häuser leer und verfielen, auch das evangelische Pfarrhaus. Die IBO-Freiwilligen haben sich wie schon im letzten Jahr an der Instandsetzung des Gebäudes beteiligt und einen Schulraum für Romakinder renoviert.

Montag, 12. Oktober 2009

Aus Barackensiedlung entsteht Grünanlegersiedlung

Bauorden saniert Sozialwohnungen in Grünangersiedlung.

Es war ein gewaltiger öffentlicher Sinneswandel, der aus der Barackensiedlung am Grünanger die Holzhaus-Siedlung machte. Vor wenigen Jahren noch wollte man die Häuser schleifen und durch eine mächtige Wohnsiedlung ersetzen. Heute weiß man um den Wert, den die Siedlung für die rund 120 sozial schwachen Menschen hat. Und dieser Wert wird gepflegt - und nötigenfalls saniert. So wie jetzt ein 47 Quadratmeter kleines Haus, das vom Bauorden von Grund auf renoviert wird.

Gute Isolation macht aus der Baracke ein Holzhaus.

"Eigentlich ist es eine Abbruchhütte", lacht Wilfried Stummer vom Bauorden, "aber nach der Renovierung hält es sicher wieder 20 Jahre." Sieben Freiwillige aus ganz Europa, großteils Studenten, sind über den Bauorden - der Verein hilft Sozialprojekten durch unentgeltlichen Baueinsatz - nach Graz gekommen, um kräftig in die Hände zu spucken. Eine Sanitärzelle wird eingebaut, Wand- und Deckenverkleidung komplett erneuert, Bodenbeläge neu verlegt und, und, und. "Dabei kommen wir mit rund 10.000 Euro aus", so Stummer.

Der Innenausbau komplettiert die Renovierung.

Für Wohnungsstadträtin Elke Kahr, die die Materialkosten zahlt, ein enorm wichtiges Projekt: "Die Menschen hier wissen es zu schätzen. Sie gehen nach der Sanierung ganz anders mit der Wohnung um - und auch mit sich selbst. Sie werden wieder aktiver und bekommen neuen inneren Antrieb."

Das IBO-Team bei wohlverdienter Pause.

von Gerald Winter, aus: Kleine Zeitung, Graz, 19. August 2009
Fotos (3): Cora Fee Götzmann